Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Römer 8:31

Eine rhetorische Frage des Paulus, an deren Antwort Christen seit zweitausend Jahren festhalten. Eine Andacht über Römer 8:31 und den Höhepunkt des Römerbriefs. Tag 205 vom Plan Bibel in einem Jahr.

Der Vers

„Was wollen wir hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?" Römer 8:31 (Luther 1912)

Der Vers, der ihm folgt, ist die Begründung:

„Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?" Römer 8:32 (Luther 1912)

Zusammenhang

Römer 8 ist eines der höchsten Kapitel der Bibel. Paulus hat in den ersten sieben Kapiteln den Weg von der Sünde zur Rechtfertigung und von der Rechtfertigung zur Heiligung beschrieben. Dann steigt er in Kapitel 8 auf den Berg: keine Verdammnis (V. 1), die Adoption als Kinder Gottes (V. 15), das Seufzen der Schöpfung (V. 22), das Wirken aller Dinge zum Besten (V. 28), die goldene Kette von Vorherbestimmung bis Verherrlichung (V. 29-30). Und dann, ab Vers 31, die fünf Schlussfragen, die das Kapitel zusammennehmen: „Was wollen wir hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?"

Die rhetorische Frage „wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein" ist nicht Naivität. Paulus weiß, dass viele „gegen" den Christen sind: Trübsal, Angst, Verfolgung, Hunger, Schwert (V. 35). Er zählt sie ausdrücklich auf. Die Frage ist nicht, ob es Gegner gibt, sondern ob ihre Gegnerschaft entscheiden kann. Die Antwort ist nein. Wer Gott auf seiner Seite hat, hat den, vor dem alle Gegner letztlich verstummen.

Bedeutung

Drei Beobachtungen heben den Vers aus seinem Kontext.

Erstens: Die Begründung steht in Vers 32. „Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont." Das griechische Wort für „verschonen" ist dasselbe, das in der Septuaginta von Genesis 22:12 für Abraham gebraucht wird, als der Engel ihm sagt: „Du hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen." Paulus zieht hier die Linie: was Gott von Abraham erbat, hat er selbst gegeben. Wer den eigenen Sohn nicht verschont hat, hat schon den größten Beweis erbracht. Alles weitere ist kleiner. „Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?"

Das ist die Logik. Paulus argumentiert vom Größeren zum Kleineren. Wenn Gott Christus gab — die Krone seines Plans —, dann wird er die Versorgungen, die deinem Leben dienen, nicht zurückhalten. Es ist der Felsen, auf dem christliche Zuversicht steht: nicht Wünsche, sondern Logik der Liebe.

Zweitens: Die Liste der „Gegner" wird in Vers 35-37 abgearbeitet. „Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Fährlichkeit oder Schwert?" Paulus listet die schlimmsten Erfahrungen seines eigenen Lebens (vergleiche 2 Korinther 11:23-28). Und seine Antwort: „In dem allem überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat." Nicht: „Diese Dinge passieren uns nicht." Sondern: „Sie können uns nicht von ihm trennen."

Drittens: Die zehn Mächte von Vers 38-39 schließen den Kreis. Tod, Leben, Engel, Fürstentümer, Gewalten, Gegenwärtiges, Zukünftiges, Höhe, Tiefe, „keine andere Kreatur". Paulus durchforstet das Universum nach etwas, was die Liebe Gottes aufheben könnte — und findet nichts. „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm HERRN" (V. 39). Der Vers gehört zu den meistmemorierten Versen der Bibel — weil er gemerkt werden muss, wenn die zehn Mächte plötzlich konkret werden.

Wie du es anwendest

  1. Lerne Römer 8:31-39 auswendig. Es ist eine zusammenhängende Einheit. Man lernt sie nicht für Wettbewerbe, sondern für die Stunde, in der die Stimme der Anklage laut wird.
  2. Argumentiere wie Paulus. Wenn die Sorge sagt: „Vielleicht versorgt Gott dich nicht?", antworte: „Er hat den Sohn nicht verschont — wie sollte er das Kleinere zurückhalten?"
  3. Nenne deine eigene Liste der Gegner. Trübsal, Krankheit, Familie, Geld. Schreibe sie auf. Dann setze 8:39 darunter: „Nichts kann uns scheiden."
  4. Bete den Vers ueber dich. Bete laut: „Du bist für mich; niemand kann gegen mich bestehen, dessen Stimme zählt." Worte ändern die innere Wahrnehmung.
  5. Trage den Vers weiter. Wer Römer 8 inwendig hat, kann ihn jemandem geben, der gerade durch ein dunkles Tal geht. Der Vers ist zum Schenken gedacht.

Verwandte Verse

Besinnung

Wenn Paulus diese Frage stellt, sitzt er nicht in einem Sessel. Er hat Schiffbruch erlebt, Schläge bekommen, Hunger gelitten und schreibt seinen Brief vermutlich aus Korinth, kurz vor seiner Reise nach Jerusalem, wo Verhaftung und Tod auf ihn warten. Wer die Frage „Ist Gott für uns?" so stellen kann, hat nicht die einfache Antwort gewählt. Er hat sie sich erkämpft. Und er gibt sie weiter — an Gemeinden, die selbst unter Druck stehen, an dich heute, an die nächste Generation. Der Sohn ist gegeben. Alles andere folgt aus diesem einen Geschenk.

Häufige Fragen

Wo steht „Wenn Gott für uns ist" in der Bibel?

Römer 8:31. Luther 1912 übersetzt: „Was wollen wir hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?" Es ist die Höhepunkt-Frage des achten Kapitels des Römerbriefes.

Was bedeutet Römer 8:31 im Zusammenhang?

Paulus zieht ein Fazit aus den vorhergehenden 30 Versen: Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont (Vers 32). Wer also den größten Beweis seiner Liebe schon hat, kann sich auf alle weiteren Beweise verlassen. Die Frage „wer mag wider uns sein?" ist rhetorisch — die Antwort ist: niemand, dessen Stimme zählt.

Heißt das, dass Christen kein Leiden erleben?

Nein. Römer 8:35 listet ausdrücklich Trübsal, Angst, Verfolgung, Hunger, Gefahr, Schwert. Das Versprechen ist nicht Schmerzfreiheit, sondern Untrennbarkeit: nichts dieser Erfahrungen kann von der Liebe Gottes scheiden.

Was sind die zehn Mächte in Römer 8:38-39?

Tod, Leben, Engel, Fürstentümer, Gewalten, Gegenwärtiges, Zukünftiges, Höhe, Tiefe, und „keine andere Kreatur". Paulus zählt sie auf, um zu sagen: Es gibt buchstäblich nichts in der ganzen Schöpfung, das die Liebe Gottes in Christus aufheben kann.

Wie kann ich diesen Vers im Alltag glauben?

Indem du dir die Logik des Paulus zu eigen machst: Vers 32 sagt, Gott hat den Sohn für dich gegeben — das ist der unwiderlegbare Beweis. Wenn du am größten Geschenk nicht zweifelst, kannst du an den kleineren Versorgungen auch nicht zweifeln. Der Vers wird real, wenn man ihn auswendig lernt und in der dunklen Stunde betet.