Riesen im Alten Testament: Nephilim, Anakim und Goliath
Die Bibel kennt Riesen, und sie macht keinen Hehl daraus. Wer sie waren, was sie bedeuten und wie Gott sie immer wieder besiegt — eine Andacht des Tages 145 vom Plan Bibel in einem Jahr.
Der Vers
„Es waren auch zu den Zeiten Tyrannen auf Erden; denn da die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus Gewaltige in der Welt und berühmte Männer." 1. Mose 6:4 (Luther 1912)
Und die Antwort eines Hirtenjungen auf den größten Riesen der Bibel:
„Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Schild; ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth, des Gottes der Schlachten Israels, den du verhöhnt hast." 1. Samuel 17:45 (Luther 1912)
Kontext
Das Alte Testament erwähnt mehrmals Riesen: Wesen oder Stämme von ungewöhnlicher Größe und Stärke. Drei Begriffe wechseln sich ab. Nephilim in 1. Mose 6:4 und 4. Mose 13:33. Anakim als Bewohner Hebrons (4. Mose 13:22, 28). Rephaim als östliche Stämme jenseits des Jordan (5. Mose 2:11). Aus dieser Linie stammt auch König Og von Basan, dessen eiserne Bettstatt 5. Mose 3:11 als Beweis seiner Größe nennt: „Sieh, neun Ellen lang und vier Ellen breit nach gemeinen Ellen eines Mannes."
Die Geschichte der Riesen im Alten Testament erreicht ihren Höhepunkt bei Goliath aus Gat (1. Samuel 17). Sechs Ellen und eine Spanne — also fast drei Meter — fordert er Israel vierzig Tage lang heraus. Niemand antwortet, bis ein Hirtenjunge kommt, dem das nicht in Ordnung erscheint.
Bedeutung
Die Bibel nennt die Riesen nicht, um zu unterhalten. Sie nennt sie, um eine Wahrheit über Gott zu zeigen. Erstens: kein Gegner ist zu groß für den HERRN. Die zwölf Kundschafter, die in 4. Mose 13 das Land erkunden, sehen die Anakim und sagen: „wir waren in unsern Augen wie Heuschrecken" (V. 33). Zehn von ihnen schließen daraus, dass das Land nicht zu erobern sei. Zwei — Josua und Kaleb — schließen das Gegenteil: „Lasset uns hinaufziehen und das Land einnehmen; denn wir können es überwältigen" (V. 30). Der Unterschied lag nicht in der Größe der Riesen, sondern in der Größe ihres Gottes vor ihren Augen.
Zweitens: Gott besiegt Riesen oft durch Kleines. David war der jüngste Sohn Isais, ein Hirte mit einer Schleuder. Mose hatte einen Stab. Gideon hatte 300 Mann. Die Bibel zeigt eine Vorliebe für asymmetrische Siege — nicht weil Gott Schwäche an sich liebt, sondern weil Schwäche der bessere Spiegel seiner Stärke ist (vgl. 2. Korinther 12:9).
Drittens: der wahre Kampf liegt in der Furcht. Goliath siegte vierzig Tage lang nicht durch Waffen, sondern durch Schrecken. Israel war geschlagen, bevor jemand kämpfte. So wirken auch heute viele Riesen: durch das Lähmende ihres bloßen Erscheinens. David brach den Bann, indem er sich an den Namen Gottes erinnerte: im Namen des HERRN Zebaoth.
Es lohnt sich, einen Blick voraus zu werfen. Im Neuen Testament wird der Kampf auf die geistliche Ebene verlegt: „wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürstentümern und Gewalten" (Epheser 6:12). Die Riesen unserer Tage sind oft unsichtbar: Angst, Sucht, Selbsthass, Lüge. Doch der Sieg gehört nach wie vor dem, der mit dem Namen des HERRN Zebaoth kommt.
Wie es anzuwenden ist
- Benenne deinen Riesen. Was steht heute vor dir und höhnt vierzig Tage lang? Es sichtbar zu machen, ist der erste Schritt zum Sieg.
- Vergleiche ihn mit Gott, nicht mit dir. Die Kundschafter verglichen Riesen mit Heuschrecken — und sich selbst mit Heuschrecken. Falscher Vergleich. Der richtige: Gott neben dem Riesen.
- Lerne 1. Samuel 17:45 auswendig. Es ist die kürzeste Predigt der Bibel über geistlichen Kampf.
- Wähle die Schleuder, nicht die Rüstung. David lehnte Sauls Rüstung ab und kämpfte mit dem, was er hatte. Der Christ kämpft mit Gebet, Wort, Gemeinschaft — nicht mit fremder Methode.
- Erinnere dich an alte Siege. Vor Goliath erinnerte sich David an Bär und Löwe (1. Samuel 17:34-37). Wer sich an Gottes Hilfe gestern erinnert, kämpft heute besser.
Verwandte Verse
- 4. Mose 13:30 — „Lasset uns hinaufziehen und das Land einnehmen; denn wir können es überwältigen."
- 5. Mose 3:22 — „Fürchtet euch nicht vor ihnen; denn der HERR, euer Gott, streitet für euch."
- 1. Samuel 17:47 — „Der Streit ist des HERRN."
- Römer 8:31 — „Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?"
- 2. Korinther 10:4 — „Die Waffen unsrer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott."
Reflexion
Die Riesen im Alten Testament sind keine Märchengestalten. Sie sind ein Spiegel — und eine Erinnerung. Spiegel: was die Furcht groß macht, das macht der Glaube klein. Erinnerung: kein Gegner, sichtbar oder unsichtbar, ist zu groß für den HERRN Zebaoth. Wenn heute ein Riese vor dir steht, geh in seinem Namen. So endet jede dieser Geschichten.
Häufige Fragen
Welche Riesen werden im Alten Testament genannt?
Die wichtigsten sind: die Nephilim (1. Mose 6:4), die Anakim (4. Mose 13:33), die Rephaim (5. Mose 3:11), König Og von Basan (5. Mose 3:11), und Goliath aus Gat (1. Samuel 17). Auch Goliaths Brüder werden in 2. Samuel 21 erwähnt.
Wer waren die Nephilim?
1. Mose 6:4 nennt sie „Tyrannen" (Luther 1912) bzw. Riesen, geboren aus den „Söhnen Gottes" und den „Töchtern der Menschen". Die Bedeutung des Ausdrucks ist umstritten: gefallene Engelwesen, die Linie Sets, oder Herrscherfiguren — die Bibel selbst gibt keine eindeutige Antwort.
Wie groß war Goliath?
1. Samuel 17:4 sagt: „Sechs Ellen und eine Spanne hoch" — etwa 2,90-3,00 Meter. Die Septuaginta hat „vier Ellen und eine Spanne" (etwa 2 Meter). In jedem Fall war er weit größer als ein normaler Krieger. Doch David besiegte ihn mit einer Schleuder im Namen des HERRN.
Was lehrt uns die Geschichte von David und Goliath?
Dass die Größe des Feindes vor Gott bedeutungslos ist. David sagt: „Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Schild; ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth" (1. Samuel 17:45). Der Sieg gehört dem, dem Gott den Sieg gibt — nicht dem Stärksten.
Gibt es heute noch „Riesen" für den Christen?
Im übertragenen Sinn: Ängste, Süchte, Krankheiten, Konflikte können wie Riesen aussehen. Die biblische Antwort bleibt dieselbe — der HERR Zebaoth besiegt sie. Epheser 6:12 verlegt den Kampf auf die geistliche Ebene; die Waffen aber sind nicht weniger wirksam (2. Korinther 10:4).