Wer hat Jesus gekreuzigt? Eine biblische Antwort

Die Frage hat Geschichte, Theologie und Tragweite für unsere eigene Seele. Andacht zum Tag 69 vom Plan Bibel in einem Jahr.

Der Vers

„Diesen, der nach dem bestimmten Rat und Vorsehung Gottes übergeben war, habt ihr genommen durch die Hände der Ungerechten und ihn angeheftet und erwürget." Apostelgeschichte 2:23 (Luther 1912)

Kontext

Die Frage „Wer hat Jesus gekreuzigt?" gehört zu den ältesten der Kirchengeschichte. Sie hat eine historische, eine theologische und eine geistliche Dimension. Historisch: römische Soldaten unter Pontius Pilatus. Theologisch: Gottes vorausgewusster Heilsplan, durch menschliche Sünde ausgeführt. Geistlich: jede Sünde, für die er starb. Eine ehrliche Antwort umfasst alle drei.

Markus 15 berichtet die Kreuzigung am ausführlichsten. Pilatus, der römische Statthalter, übergab Jesus den Soldaten zur Geisselung und zur Kreuzigung (V. 15). Die Soldaten verspotteten ihn mit der Dornenkrone, führten ihn nach Golgatha und schlugen ihn ans Kreuz (V. 16-25). Die Kreuzigung war eine römische Hinrichtungsart, vorbehalten für Sklaven und Aufrührer. Die Hände, die den Hammer schwangen, waren römische.

Bedeutung

Die historischen Verantwortlichen. Markus 15 nennt mehrere Akteure: Pilatus (gab den Befehl), die römischen Soldaten (vollstreckten), die Hohenpriester und der Hohe Rat (übergaben Jesus an Pilatus, Markus 14:55-65), und eine Volksmenge in Jerusalem (rief „Kreuzige ihn", Markus 15:13-14). Petrus fasst in Apostelgeschichte 2:23 das Geschehen für seine Hörer in Jerusalem zusammen: „habt ihr genommen durch die Hände der Ungerechten."

Was die Bibel nicht sagt. Die Bibel macht nicht das ganze jüdische Volk für die Kreuzigung verantwortlich. Die ersten Christen waren überwiegend Juden. Petrus, Paulus, Maria, Johannes — alle Juden. Der Vorwurf einer Kollektivschuld ist eine spätere, unbiblische Verzerrung, die in der Kirchengeschichte zu schrecklichen Verfolgungen geführt hat. Sie muss klar zurückgewiesen werden.

Gott und die Kreuzigung. Die wohl tiefste Aussage steht in Apostelgeschichte 2:23. Die Kreuzigung war zugleich Mord von Menschenhand und Gottes vorausgewusster Heilsplan. Das ist kein Widerspruch, sondern das doppelte Geheimnis: Menschen handelten frei und sündig; Gott schrieb durch ihre Sünde sein Heil. Jesaja 53:10 hatte dies vorausgesagt: „Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit." Der Vater wollte das Heil; der Vater wollte nicht den Mord.

Und meine Sünde. Wenn Jesus für die Sünden der Welt starb, dann gehörten auch meine Sünden zu der Last, die ihn ans Kreuz brachte. „Christus ist gestorben für unsre Sünden nach der Schrift" (1. Korinther 15:3). Wer den Tod Jesu nur historisch betrachtet, hat ihn theologisch verfehlt. Die Frage „wer hat ihn gekreuzigt?" wird zur persönlichen Frage, sobald der Leser merkt: auch ich.

Wie man es anwendet

  1. Lies einen Passionsbericht ganz. Markus 14-15, Lukas 22-23, Johannes 18-19. Lies einen davon in einer Sitzung. Lass die Erzählung wirken, bevor du theologisch sortierst.
  2. Wehre antisemitische Verzerrungen. Wenn du in der Familie, in den sozialen Medien oder in der Predigt Hinweise auf eine angebliche „jüdische Schuld" hörst, sage Nein. Die Bibel selbst differenziert. Christen müssen es ebenfalls.
  3. Halte Gottes Plan und menschliche Sünde zusammen. Die Bibel verlangt nicht, das eine zugunsten des anderen aufzugeben. Bete um den Glauben, beides aushalten zu können — die Souveränität Gottes und die Verantwortung der Menschen.
  4. Bekenne deine eigene Beteiligung. Die geistliche Form der Frage „wer kreuzigte Jesus?" ist „welche meiner Sünden brachten ihn ans Kreuz?" Bekenne sie konkret. 1. Johannes 1:9 verspricht Vergebung.
  5. Bete für die Juden Israels und der Welt. Römer 11 macht klar, dass Gott seine Verheissungen für Israel nicht aufgegeben hat. Bete, dass das Volk, aus dem der Messias kam, ihn als ihren Messias erkennt.

Verwandte Bibelstellen

Besinnung

Wer hat Jesus gekreuzigt? Die ehrliche Antwort der Bibel ist mehrschichtig: römische Soldaten, einige jüdische Führer, eine Menge in Jerusalem, der vorausgewusste Plan des Vaters, und — schlussendlich — die Sünden der Welt. Wenn diese Antwort dich nicht traurig macht, hast du sie nicht verstanden. Wenn sie dich nicht dankbar macht, hast du das Evangelium nicht gehört. Sie ist beides.

Häufige Fragen

Wer hat Jesus historisch gekreuzigt?

Römische Soldaten unter dem Befehl von Pontius Pilatus, dem römischen Statthalter Judäas. Die Kreuzigung war eine römische Hinrichtungsart. Markus 15:24 berichtet schlicht: „Und sie kreuzigten ihn."

Welche Rolle spielten die jüdischen Führer?

Der Hohe Rat verurteilte Jesus wegen Gotteslästerung (Markus 14:64). Da er aber kein Recht hatte, die Todesstrafe zu vollstrecken, lieferte er Jesus an Pilatus aus mit politischer Anklage (Lukas 23:2).

Sind die Juden insgesamt verantwortlich?

Nein. Das Evangelium unterscheidet sorgfältig: einige Führer und eine Volksmenge, nicht das ganze Volk. Die ersten Christen waren überwiegend Juden. Der Vorwurf einer Kollektivschuld ist unbiblisch.

Hat Gott Jesus „gekreuzigt"?

Apostelgeschichte 2:23 sagt: „Diesen, der nach dem bestimmten Rat und Vorsehung Gottes übergeben war, habt ihr genommen durch die Hände der Ungerechten." Das Kreuz war Mord von Menschenhand und zugleich der vorausgewusste Heilsplan Gottes.

Wer ist letztlich schuld am Tod Jesu?

Theologisch gesehen: jeder Sünder, für den Christus starb. Wenn wir fragen, wer ihn kreuzigte, lautet die ehrlichste Antwort: meine Sünde ebenso wie die der Soldaten. Das ist der Grund, warum das Kreuz auch für mich ist.