Die Offenbarung des Johannes: das letzte Buch der Bibel

Eines der umstrittensten und tröstlichsten Bücher der Bibel. Wie es entstand, was es sagt, und wie man es heute mit Frucht liest. Andacht zum Tag 343 vom Plan Bibel in einem Jahr.

Der Vers

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr… Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein." Offenbarung 21:1, 3 (Luther 1912)

Kontext

Die Offenbarung — auch Apokalypse genannt — ist das letzte Buch der Bibel. Ihre Verfasserschaft wird traditionell Johannes zugeschrieben, dem Apostel oder einem anderen Johannes der frühen Kirche. Sie wurde wahrscheinlich gegen Ende des ersten Jahrhunderts auf der Insel Patmos geschrieben, wo Johannes „um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses Jesu Christi willen" verbannt war (Offenbarung 1:9). Die Kirche, an die sie gerichtet ist, lebte unter wachsender römischer Verfolgung.

Das Buch hat eine klare Struktur. Kapitel 1: die Vision des Auferstandenen. Kapitel 2-3: Briefe an sieben Gemeinden in Kleinasien. Kapitel 4-5: die Vision Gottes auf dem Thron und des Lammes. Kapitel 6-19: dramatische Bilder von Gericht und Trübsal. Kapitel 20: das tausendjährige Reich und das letzte Gericht. Kapitel 21-22: der neue Himmel und die neue Erde.

Bedeutung

Apokalyptik als literarische Gattung. Die Offenbarung gehört zu einer alten jüdischen Tradition — der Apokalyptik. Das griechische Wort apokalypsis heisst „Enthüllung". Apokalyptische Texte (z.B. Daniel, Henoch) verwenden bildhafte Sprache: Tiere, Zahlen, kosmische Bilder. Sie sind nicht zu lesen wie ein Geschichtsbuch oder eine Wettervorhersage. Sie sind zu lesen wie eine Vision — mit Geduld für das Symbol, Wachsamkeit für den Trost.

Christus, der Mittelpunkt. Auch wenn die Offenbarung viele Symbole enthält, ist ihr Mittelpunkt klar: Christus regiert. Kapitel 5 zeigt das Lamm, das geschlachtet wurde, das nun den Thron besteigt und das Buch öffnet, das niemand sonst öffnen kann. Wer in der Offenbarung den Antichrist oder die Plagen oder die 666 zum Mittelpunkt macht, hat das Buch verfehlt. Christus ist der Mittelpunkt.

Trost für eine verfolgte Kirche. Ursprünglich war die Offenbarung kein Buch für apokalyptische Spekulation. Sie war ein Trostbuch für eine bedrängte Kirche. Sie sagte zu Christen, die bald in römischen Arenen sterben würden: ihr habt nicht verloren. Das Lamm, das geschlachtet wurde, herrscht. Die Welt hat eine andere Geschichte als die, die der Kaiser erzählt. Die Tränen werden eines Tages abgewischt.

Die neue Schöpfung. Der Höhepunkt der Offenbarung ist nicht das Gericht, sondern die neue Schöpfung. Offenbarung 21-22 ist eine der schönsten Stellen der ganzen Bibel. Gott wohnt bei den Menschen. Es gibt keinen Tod, kein Leid, kein Geschrei mehr. Der Strom des Lebens fliesst. Der Baum des Lebens trägt zwölf Mal Frucht. Die Tore der Stadt sind nie geschlossen. Wer die Bibel liest, ohne bei diesem Bild anzukommen, hat ihr Ende verfehlt.

Wie man es anwendet

  1. Lies die Offenbarung in einer Sitzung. Sie ist nicht lang — etwa 90 Minuten zu lesen. Lies sie als Ganzes, nicht in zerpflückten Versen. Du wirst die Bewegung des Buches besser spüren.
  2. Bleibe bei dem, was klar ist. Christus regiert. Das Lamm hat gesiegt. Die Kirche wird durch Trübsal gehen, aber sie wird gerettet. Die neue Schöpfung kommt. Diese vier Sätze sind die Substanz. Lass dich nicht in Datums-Spekulation verwickeln.
  3. Lies die Briefe an die sieben Gemeinden. Offenbarung 2-3 sind oft die fruchtbarsten Kapitel für eine moderne Gemeinde. Welcher der sieben Gemeinden gleicht deine? Was würde Christus dir schreiben?
  4. Lass dich trösten. Wenn du verfolgt, müde, oder mit der Welt überfordert bist, lies Offenbarung 21-22. Die Verheissung ist nicht Symbol — sie ist Realität, die kommt. „Siehe, ich mache alles neu" (Offenbarung 21:5).
  5. Bete das letzte Gebet der Bibel. Offenbarung 22:20: „Amen, ja, komm, HERR Jesus!" Dieses Gebet ist der letzte Atemzug der Bibel. Mache es zu deinem täglichen Gebet. Es richtet das Leben aus.

Verwandte Bibelstellen

Besinnung

Die Bibel beginnt in einem Garten und endet in einer Stadt. Sie beginnt mit einer Schöpfung, die für gut erklärt wird, und endet mit einer Schöpfung, die für neu erklärt wird. Dazwischen — die ganze Geschichte des menschlichen Versagens und göttlicher Treue. Die Offenbarung ist nicht ein Buch des Schreckens; sie ist ein Buch der Hoffnung. Lies sie. Lass dich tragen. Das letzte Wort der Bibel gehört Christus, und Christi letztes Wort heisst Hoffnung.

Häufige Fragen

Was ist die Offenbarung des Johannes?

Die Offenbarung ist das letzte Buch der Bibel und das einzige neutestamentliche Buch der Apokalyptik. Sie wurde wahrscheinlich von Johannes gegen Ende des ersten Jahrhunderts auf der Insel Patmos geschrieben.

Worum geht es in der Offenbarung?

Um Christus, der trotz aller Drangsale seiner Kirche der Sieger ist. Die Offenbarung zeigt das Lamm, das geschlachtet wurde, jetzt regiert. Sie endet mit der neuen Schöpfung, in der Gott bei den Menschen wohnt.

Soll man die Offenbarung wörtlich oder symbolisch lesen?

Beides — aber meistens symbolisch. Die Apokalyptik ist eine literarische Gattung, die in Bildern spricht. Die Bibel ist nicht ein Code zu entziffern, sondern eine Vision zu lesen. Aber die Verheissung der neuen Schöpfung ist real.

Wie endet die Bibel?

Mit Hoffnung. Offenbarung 21:3-4: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!… Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein." Die letzten Verse sind ein Gebet: „Komm, HERR Jesus."

Wie soll man die Offenbarung lesen?

Mit Christus als Mittelpunkt, mit Geduld, und ohne Endzeit-Spekulation. Lies sie als ein Trostbuch für eine bedrängte Kirche. Bleibe bei dem, was klar ist: Christus regiert, das Lamm hat gesiegt, die neue Schöpfung kommt.