Priester im Alten Testament: Aaron und seine Nachkommen

Ein Amt, das Israel formte und auf Christus vorausweist. Andacht zum Tag 307 vom Plan Bibel in einem Jahr.

Der Vers

„Und Mose sprach zu Aaron und seinen Söhnen: Kocht das Fleisch vor der Tür der Hütte des Stifts… Und Mose sprach zu der ganzen Gemeinde: Das ist's, was der HERR geboten hat zu tun." 3. Mose 8:31, 36 (Luther 1912, sinngemäss)

Kontext

3. Mose 8 berichtet die Einsetzung des Priestertums. Aaron, der Bruder Moses, wird als erster Hohepriester geweiht. Seine Söhne werden Priester. Die Zeremonie dauert sieben Tage und umfasst rituelle Waschung, Salbung mit Öl, Bekleidung mit den priesterlichen Gewändern, das Opfer eines Sündopfers, eines Brandopfers und eines Einsetzungsopfers. Das ganze Kapitel zeigt, wie ernst Gott die Frage nimmt, wer in seiner Gegenwart dienen darf.

Das Priestertum gehörte exklusiv den Nachkommen Aarons aus dem Stamm Levi. Andere Leviten dienten am Heiligtum (Aufbau, Transport, Musik), aber nur die Aaroniten brachten Opfer dar. Diese strikte Linie war kein Privileg, sondern ein Schutz: das Heilige Gottes erforderte rituelle Reinheit, um das Volk zu schützen. Die Bibel kennt mehrere Geschichten von Männern, die das Priestertum unbefugt ausübten und dafür starben (4. Mose 16, 2. Chronik 26).

Bedeutung

Drei Hauptaufgaben. Erstens: Opfer darbringen. Die Priester schlachteten die Tiere, sprengten das Blut, verbrannten die Stücke nach Vorschrift. Zweitens: im Heiligtum dienen — das Brot der Gegenwart, das Räucheropfer, das Anzünden der Lampen. Drittens: das Volk lehren und segnen. Der bekannte aaronitische Segen (4. Mose 6:24-26) ist bis heute das schönste Stück priesterlichen Sprechens.

Der Hohepriester und der grosse Versöhnungstag. Der Hohepriester hatte eine besondere Funktion: einmal im Jahr, am grossen Versöhnungstag (Yom Kippur, 3. Mose 16), durfte er in das Allerheiligste eintreten — den innersten Raum des Heiligtums, hinter dem Vorhang, wo die Bundeslade stand. Er sprengte Blut auf den Sühnedeckel zur Vergebung der Sünden des Volkes. Dieser Tag war der Höhepunkt des israelitischen Kultjahrs.

Vorläufig, nicht endgültig. Der Hebräerbrief macht klar, dass das aaronische Priestertum vorläufig war. Es litt an einer fundamentalen Unvollkommenheit: die Priester selbst waren Sünder, also brachten sie zuerst Opfer für sich selbst, dann für das Volk (Hebräer 5:3). Die Opfer mussten täglich, jährlich, immer wieder dargebracht werden. Sie konnten Sünde anzeigen, aber nicht endgültig wegnehmen.

Christus, der grosse Hohepriester. Hebräer 7-9 deutet das Priestertum aus seiner Erfüllung. Christus ist Priester nach der Ordnung Melchisedeks (Psalm 110:4) — ein anderer, höherer Orden. Er ist sündlos, also musste er kein Opfer für sich selbst bringen. Er ist ewig, also bleibt sein Priestertum für immer. Er bot sich selbst als Opfer dar, „ein für allemal" (Hebräer 9:12). Mit ihm ist der Vorhang im Tempel gerissen (Matthäus 27:51) — der Zugang zu Gott ist offen.

Wie man es anwendet

  1. Lies 3. Mose 8 mit Hebräer 9 zusammen. Beide Texte ergeben erst zusammen Sinn. Die Vorschrift wird im Erfüllten klar.
  2. Verstehe das gerissene Tempelvorhang. Matthäus 27:51 berichtet, dass der Vorhang im Tempel beim Tod Jesu zerriss. Was das bedeutet: das Heiligtum ist offen. Du brauchst keinen aaronischen Priester, um zu Gott zu kommen. Christus selbst ist dein Hohepriester.
  3. Tritt mit Freudigkeit hinzu. Hebräer 4:16: „Lasst uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe nottut." Diese Einladung ist das Ergebnis des erfüllten Priestertums.
  4. Lebe als königlicher Priester. 1. Petrus 2:9 nennt die Christen ein „königliches Priestertum". Bete für andere. Sprich den Segen Gottes über sie aus. Bring deinen Leib „als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer" (Römer 12:1).
  5. Bete den aaronitischen Segen. 4. Mose 6:24-26: „Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir." Dieser Segen ist alt und bleibt aktuell. Sprich ihn über deine Familie, am Tisch, am Ende eines Gottesdienstes.

Verwandte Bibelstellen

Besinnung

Das Priestertum des Alten Testaments war kein veraltetes System, das man heute überspringen kann. Es war Schule. Sie lehrte, dass die Sünde ernst ist, dass Sühnung Blut kostet, dass der Zugang zu Gott bewahrt werden muss. All das gipfelt in Christus. Wenn du verstehst, was Aaron tat, verstehst du besser, was Christus tat. Wenn du den gerissenen Vorhang siehst, weisst du, dass der Weg offen ist. Tritt hinzu. Bete. Sei du selbst Priester für andere.

Häufige Fragen

Wer waren die Priester im Alten Testament?

Die Priester waren die Nachkommen Aarons aus dem Stamm Levi. Aaron, der Bruder Moses, war der erste Hohepriester. Seine Söhne und ihre Nachkommen bildeten das Priestergeschlecht.

Was war die Aufgabe der Priester?

Drei Hauptaufgaben: Opfer darbringen, im Heiligtum dienen, das Volk lehren und segnen. Maleachi 2:7: „Des Priesters Lippen sollen die Lehre bewahren."

Was unterschied den Hohepriester von anderen Priestern?

Der Hohepriester war der oberste der Priester. Nur er durfte einmal im Jahr, am grossen Versöhnungstag, in das Allerheiligste gehen, um vor der Bundeslade Blut zu sprengen (3. Mose 16).

Was sagt der Hebräerbrief über das Priestertum?

Der Hebräerbrief argumentiert, dass das aaronische Priestertum vorläufig war und in Christus erfüllt wurde. Christus ist Priester nach der Ordnung Melchisedeks, ein ewiger Priester, der durch sein eigenes Blut einmal für alle in das wahre Heiligtum eingegangen ist (Hebräer 9:11-12).

Sind Christen Priester?

Ja — in einem neuen Sinn. 1. Petrus 2:9 nennt die Gläubigen ein „königliches Priestertum". Das ist nicht die aaronische Funktion, sondern die direkte Beziehung zu Gott durch Christus.