Großzügig: was die Bibel über Großzügigkeit lehrt
Die Bibel hat mehr über Geld zu sagen als über den Himmel. Was sie zur Großzügigkeit sagt, weist immer in dieselbe Richtung: eine offene Hand. Andacht des Tages 81 vom Plan Bibel in einem Jahr.
Der Vers
„Ein jeglicher nach seiner Wahl, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen frohen Geber hat Gott lieb.“ 2. Korinther 9:7 (Luther 1912)
Und das Sprichwort, das Paulus im Hintergrund hatte:
„Einer teilt aus und hat immer mehr; ein anderer kargt, da er nicht soll, und wird doch ärmer. Wer da reichlich tränket, der wird auch getränket werden.“ Sprüche 11:24-25 (Luther 1912)
Kontext
2. Korinther 8 und 9 sind die längste Lehre über christliches Geben im Neuen Testament. Paulus sammelt eine Kollekte für die armen Christen in Jerusalem von den Gemeinden Griechenlands. Er nennt das Geben nicht „Wohltätigkeit“, sondern Gnade (gr. charis) - dasselbe Wort, das er für das Heil benutzt. Großzügig zu sein heißt, an der Gnade teilzunehmen, die uns gegeben wurde.
Sprüche 11 ist älter, aber dieselbe Idee. Die hebräische Bildsprache ist landwirtschaftlich: gestreute Saat bringt Vermehrung; gehortete Saat verfault im Silo. Großzügigkeit ist kein Verlust; sie ist die Form, in der Gottes Wirtschaft tatsächlich belohnt.
Bedeutung
Drei Prinzipien durchziehen die biblische Lehre vom großzügigen Geben.
Erstens: säen und ernten. „Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen“ (2. Korinther 9:6). Paulus benutzt landwirtschaftliche Sprache, um die Erwartung zu verlangsamen. Ein Bauer sät heute nicht und erntet morgen. Er sät im Glauben. Großzügigkeit ist Säen.
Zweitens: entschiedenes Geben. „Ein jeglicher nach seiner Wahl.“ Paulus will kein spontanes Gefühlsgeben; er will durchdachtes, durchgebetetes Geben. Der frohe Geber ist nicht der impulsive - er ist der absichtliche.
Drittens: frohes Geben. Das Wort für „froh“ ist hilaros. Hilarisch. Laut-mit-Freude-Geben. Das Gegenteil ist „mit Unwillen oder aus Zwang“ - die gepresste Gabe, die Pflichtgabe. Gott will keine von beiden. Er will ein Herz, das gibt, weil es empfangen hat.
Warum? Weil Großzügigkeit Gottes Charakter widerspiegelt. Er ist der ursprüngliche Geber: „eine jegliche gute Gabe und ein jegliches vollkommenes Geschenk kommt von obenher von dem Vater des Lichts“ (Jakobus 1:17). Christus „ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet“ (2. Korinther 8:9). Wenn wir geben, sehen wir ihm ähnlich.
Und die Bibel lehrt nirgends, dass Großzügigkeit den Geber arm macht. Sprüche 11:25 ist klar: die Tränker werden getränkt. Paulus wiederholt es: „Der aber Samen reicht dem Säemann, der wird auch das Brot reichen zur Speise und wird vermehren euren Samen und wachsen lassen das Gewächs eurer Gerechtigkeit“ (2. Korinther 9:10). Beachte die Sprache: nicht „er macht euch reich“, sondern „er gibt Saat zum Säen“. Gott gibt mehr an die, die weiter geben.
Wie es anzuwenden ist
- Entscheide einen Prozentsatz. Zehn Prozent ist der biblische Boden. Setze ihn fest. Lege ihn auf Dauerauftrag.
- Gib zuerst, nicht zuletzt. Nimm die Gabe oben weg, vor Rechnungen, vor Wünschen. Die erste Scheibe trainiert das Herz.
- Gib an deine Ortsgemeinde. Maleachis „Vorratshaus“ war Israels Anbetungsort. Heute ist das Vorratshaus die örtliche Gemeinde, die dich nährt.
- Such monatlich eine konkrete Person. Eine Mahlzeit für einen Kollegen, ein Scheck für einen Missionar, eine Not in der Gemeinde. Allgemeine Großzügigkeit landet selten; konkrete Großzügigkeit immer.
- Gib mit Freude - laut. Mach das Geben nicht düster. Danke Gott für das Privileg, geben zu dürfen. Singe wenn nötig. Hilaros.
Verwandte Verse
- Apostelgeschichte 20:35 — „Geben ist seliger denn Nehmen.“
- Lukas 6:38 — „Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben.“
- Maleachi 3:10 — „Bringet aber die Zehnten ganz in mein Kornhaus.“
- 1. Timotheus 6:18 — „Wohl tun, reich werden an guten Werken, gern geben, behilflich sein.“
- Hebräer 13:16 — „Wohl zu tun und mitzuteilen vergesset nicht; denn solche Opfer gefallen Gott wohl.“
Reflexion
Großzügigkeit wird nicht an der Höhe gemessen, sondern an der Richtung. Eine arme Witwe mit zwei Kupfermünzen kann großzügiger sein als ein reicher Mann mit zweitausend (Markus 12:41-44). Was Gott beobachtet, ist das Verhältnis, die Freude und das Vertrauen. Beim nächsten Mal, wenn der Klingelbeutel oder der Spendenlink kommt, stelle die einfachere Frage: vertraue ich diesem Gott genug, um zu geben? Wenn ja, gib mit Freude. Wenn nein, bitte um das Vertrauen, bevor du das Geld gibst. Beide Gaben gefallen ihm.
Häufige Fragen
Was sagt die Bibel über Großzügigkeit?
Dass sie Wesensmerkmal des Christen ist. 2. Korinther 9:7 sagt: „ein jeglicher nach seiner Wahl, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen frohen Geber hat Gott lieb“. Großzügigkeit ist freiwillig, geplant und freudig.
Wie viel sollte ich geben?
Das Alte Testament setzt den Zehnten als Boden (Maleachi 3:10). Das Neue Testament wiederholt ihn nicht als Gesetz, hebt aber die Latte im Geist: gebt wie der Herr euch wohlhaben lässt (1. Korinther 16:2), großzügig, freudig, manchmal opfernd. Viele Christen behandeln den Zehnten als Boden, nicht als Decke.
Was bedeutet „fröhlicher Geber“?
Das griechische Wort für „fröhlich“ ist hilaros - die Wurzel von „hilarisch“. Gott freut sich nicht über die Größe der Gabe, sondern über das Herz dahinter. Mit Unwillen gegeben missfällt Gott; freudig gegeben spiegelt sein eigenes Geben wider.
Segnet Gott den, der gibt?
Sprüche 11:24-25 ist eindeutig: „wer da streut, dem wird geschenkt; und wer da tränket, der wird selbst auch getränket“. Das Neue Testament verfeinert die Verheißung: Gott gibt Saat zum Säen (2. Korinther 9:10), nicht unbedingt mehr Geld zurück. Manchmal ist die Belohnung mehr Frieden, mehr Freude, mehr ewiger Lohn - manchmal auch materielles Versorgen.
Wie werde ich großzügiger?
Drei Praktiken: (1) entscheide im Voraus, was du gibst (2. Korinther 9:7); (2) gib zuerst, nicht zuletzt - schreibe den Scheck ab, bevor alles andere gezahlt wird; (3) kultiviere Dankbarkeit - Großzügigkeit wächst dort, wo Dankbarkeit Wurzeln schlägt (2. Korinther 9:11).