Liebe in der Bibel: Was sie wirklich ist

Eine Betrachtung über die biblische Liebe — 1. Korinther 13, 1. Johannes 4 und das Beispiel Jesu in Johannes 15. Tag 231 des Plans Bibel in einem Jahr.

Der Vers

„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu.“ 1. Korinther 13:4–5 (Luther 1912)

Wenn die Bibel von Liebe spricht, meint sie nicht zuerst ein warmes Gefühl, sondern ein bestimmtes Handeln. Sie ist beschreibbar, messbar, übbar — und genau deshalb herausfordernder, als die romantische Fassung je sein könnte.

Zusammenhang

1. Korinther 13 ist berühmt, aber sein Zusammenhang wird oft übersehen. Paulus schreibt nicht für eine Hochzeit, sondern an eine zerstrittene Gemeinde, die mit Gaben protzte. Zwischen den Kapiteln über Gaben (12 und 14) stellt er das große Bild auf: ohne Liebe wird selbst die spektakulärste Gabe zu einem „tönenden Erz oder einer klingenden Schelle“ (V. 1). Die Liebe ist nicht die Zierde des Dienstes; sie ist sein Kern.

Johannes 15 spricht am Vorabend des Kreuzes. Jesus sagt seinen Jüngern: „Das ist mein Gebot, daß ihr euch untereinander liebet, gleichwie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde“ (V. 12-13). Wenige Stunden später tut er, wovon er spricht. Der Maßstab der Liebe ist nicht abstrakt; er hat eine Gestalt und einen Namen.

1. Johannes 4:7-21 geht zur Wurzel zurück: „Gott ist die Liebe“ (V. 8). Liebe ist nicht nur das, was Gott tut — sie ist, wer er ist. Deshalb kann Johannes sagen: „Wer den Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?“ (V. 20). Der Test der wahren Liebe zu Gott findet am nächsten Menschen statt.

Bedeutung

Die Schrift nennt die Liebe, die hier gemeint ist, agape. Sie unterscheidet sich von den anderen griechischen Worten für Liebe (eros, philia, storge) dadurch, dass sie nicht auf dem Wert des Geliebten beruht, sondern auf dem Willen des Liebenden.

Liebe ist zuerst Tat. 1. Korinther 13:4-7 enthält sechzehn Aussagen über die Liebe — und fast alle beschreiben, was die Liebe tut oder lässt. „Langmütig“: sie hält etwas aus. „Freundlich“: sie handelt gütig. „Eifert nicht“: sie gönnt. „Blähet sich nicht“: sie braucht keine Bühne. Liebe lässt sich abhaken — oder deutlich vermissen.

Liebe ist durchsichtig auf Gott. „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Johannes 4:19). Die biblische Liebe ist immer abgeleitet. Sie schöpft aus einer Quelle, die anderswo liegt. Darum ist sie nicht auf Gegenliebe angewiesen, um weiterzugehen — sie hat einen anderen Antrieb.

Liebe kostet. „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde.“ Johannes 15:13 setzt den Höchstpreis fest. Nicht jede Liebe kostet ein Leben, aber jede wahre Liebe kostet etwas: Zeit, Bequemlichkeit, Stolz, eine Meinung. Wo nichts eingesetzt wird, ist auch nichts gegeben worden.

Liebe ist das letzte Wort. „Es bleiben aber Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“ (1. Korinther 13:13). Glaube wird in Schauen, Hoffnung in Erfüllung übergehen. Die Liebe bleibt, weil sie schon jetzt von dem her kommt, der ewig ist.

Wie du es anwendest

  1. Lies 1. Korinther 13 mit deinem Namen. „[Dein Name] ist langmütig, [dein Name] ist freundlich…“ Das ist unbequem und hilfreich zugleich. Du siehst sofort, wo die Liebe bei dir dünn wird.
  2. Wähle eine Person und eine Eigenschaft. Nimm diese Woche eine Beziehung und eine Tugend — etwa „geduldig mit meinem Kind“ oder „nicht nachtragend gegenüber einer Kollegin“ — und übe sie konkret.
  3. Liebe zuerst mit Taten. Wenn du ein Gefühl nicht hast, handele trotzdem liebevoll. Oft folgt das Gefühl der Tat nach, nicht umgekehrt.
  4. Empfang, bevor du gibst. 1. Johannes 4 sagt, dass unsere Liebe aus Gottes Liebe lebt. Verbringe täglich Zeit damit, dich selbst als geliebt zu wissen — sonst geht der Vorrat aus.
  5. Miss Liebe, nicht Leistung. Am Ende eines Tages frag dich nicht primär, was du erreicht hast, sondern wen du geliebt hast. Jesus macht diese Frage zur letzten und wichtigsten.

Verwandte Verse

Besinnung

Wenn du heute Abend eine Person anriefst, die du lange nicht mehr angerufen hast, oder ein Wort zurücknähmst, das verletzend war, oder ein Telefon weglegtest, um wirklich zuzuhören — wäre das nicht konkreter biblisch als ein ganzer Vortrag über Liebe? Die Bibel ruft uns nicht zum Verliebtsein; sie ruft uns zum Lieben. Und sie erinnert uns, dass die Kraft dafür nicht aus uns kommt, sondern aus dem, der uns zuerst geliebt hat.

Häufige Fragen

Wie definiert die Bibel Liebe?

1. Korinther 13:4–7 gibt die klassische Definition: Liebe ist langmütig, freundlich, sie ereifert sich nicht, sie bläht sich nicht auf, sie sucht nicht das Ihre. Sie wird an Taten erkannt, nicht an Gefühlen.

Was bedeutet agape?

Agape ist das griechische Wort für jene Liebe, die sich verschenkt, auch wenn sie nichts zurückbekommt. Sie ist nicht zuerst ein Gefühl, sondern eine Entscheidung im Dienst eines anderen.

Wie zeigt Jesus die größte Liebe?

Johannes 15:13 sagt: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde.“ Jesus zeigt diese Liebe konkret am Kreuz.

Kann ich lieben, wenn ich das Gefühl nicht mehr habe?

Ja. Biblische Liebe ist zuerst Tat, dann Gefühl. 1. Korinther 13 zählt Taten auf, keine Emotionen. Wer die Taten der Liebe übt, findet oft, dass das Gefühl zurückkehrt.

Woher bekomme ich die Kraft zu lieben?

„Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Johannes 4:19). Die Kraft kommt daraus, zuerst Gottes Liebe empfangen zu haben — und sie dann weitergeben zu können.