Der Vater von Lea und Rahel: Laban im Alten Testament

Laban war Aramäer, Schwiegervater Jakobs und einer der raffiniertesten Charaktere in der Genesis. Was die Bibel über ihn berichtet — und was wir aus seiner Geschichte lernen. Andacht des Tages 14 vom Plan Bibel in einem Jahr.

Der Vers

„Laban aber hatte zwei Töchter; die ältere hieß Lea und die jüngere Rahel." Genesis 29:16 (Luther 1912)

Und ein paar Verse später, der berühmte Morgen nach der Hochzeit:

„Da es nun Morgen ward, siehe, da war es Lea. Und er sprach zu Laban: Warum hast du mir das getan? Habe ich dir nicht um Rahel gedient? Warum hast du mich denn betrogen?" Genesis 29:25 (Luther 1912)

Zusammenhang

Der Vater von Lea und Rahel heißt Laban. Er war ein Aramäer aus der Gegend von Haran in Mesopotamien — derselben Gegend, aus der Abraham aufgebrochen war. Laban war auch der Bruder von Rebekka (Genesis 28:5), also Jakobs eigener Onkel. Als Jakob seinen Bruder Esau betrogen hatte und vor seinem Zorn fliehen musste, schickte Rebekka ihren Sohn zu ihrem Bruder Laban. Genesis 29 erzählt, was dort geschah.

Jakob kam an einen Brunnen vor Haran, traf Rahel beim Hüten der Schafe ihres Vaters, und verliebte sich. Laban nahm Jakob freundlich auf — „du bist mein Bein und mein Fleisch" (29:14). Bald aber wurde aus dem Familienempfang ein Geschäftsverhältnis. Jakob diente sieben Jahre für Rahel. „Sie deuchten ihn, als wären's einzelne Tage, so lieb hatte er sie" (29:20). Dann kam die Hochzeit — und mit ihr die Täuschung.

Bedeutung

Drei Linien laufen durch das Bild Labans im Alten Testament.

Erstens: Er ist der Schwiegervater zweier Mütter Israels. Aus Lea kommen Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issaschar und Sebulon. Aus Rahel kommen Joseph und Benjamin. Aus den Mägden Silpa und Bilha — die ebenfalls aus Labans Haus stammen — kommen Gad, Asser, Dan und Naphtali. Vier Frauen, alle aus Labans Haushalt, sind die Mütter der zwölf Stämme. Im wörtlichen Sinn ist Laban der Großvater des Volkes Israel.

Zweitens: Er ist ein Spiegel der Sünde Jakobs. Jakob hatte selbst getäuscht — er hatte sich für Esau ausgegeben und Isaaks Segen mit einer List erschlichen (Genesis 27). In Haran wird er nun seinerseits getäuscht. „Habe ich dir nicht um Rahel gedient? Warum hast du mich denn betrogen?" (29:25) Die Wortwahl in der hebräischen Bibel ist deutlich: dasselbe Verb für Täuschung, das Esau über Jakob verwendet, gebraucht Jakob nun über Laban. Gott unterrichtet Jakob mit einem Spiegel.

Drittens: Gott handelt durch und trotz Laban. Laban will Jakob ausnutzen. Er ändert seinen Lohn zehnmal (Genesis 31:7). Er versucht, Jakob am Aufbruch zu hindern. Doch der HERR spricht zu Laban im Traum: „Hüte dich, daß du mit Jakob nicht anders redest als freundlich" (31:24). Und am Ende segnet er Jakob mit großem Reichtum, den Laban ihm nicht entziehen konnte. Die Erzählung zeigt: Wer von einem mächtigen Menschen abhängig ist, ist nicht von ihm abhängig — sondern von Gott.

Auch die Hausgötter Labans (31:19) sind aufschlussreich. Rahel stahl sie beim Aufbruch, vermutlich wegen ihrer rechtlichen Bedeutung für die Erbschaft. Laban verfolgte Jakob nicht zuerst wegen der Töchter, sondern wegen dieser Götzen. Es zeigt, wie weit das Haus Labans schon vom reinen Glauben Abrahams entfernt war. Gott rief Jakob zurück nach Kanaan — auch um ihn aus dieser religiösen Verschmutzung herauszuführen.

Wie du es anwendest

  1. Erkenne Gottes Treue im Umweg. Jakob bekam nicht, was er wollte, schnell. Er bekam mehr, als er wollte, langsam — und gereinigt. Wenn dein Weg sich verlängert, könnte Gott darin am Werk sein.
  2. Lass die Täuschung nicht der letzte Klang sein. Lea, die nicht gewählte, wurde Mutter Judas — und damit Vorfahrin Christi. Was wie eine Hinterlist wirkte, hat Gott in den Heilsplan eingewoben.
  3. Diene treu, auch unter ungerechten Vorgesetzten. Jakob arbeitete vierzehn Jahre für einen Schwiegervater, der ihn überlistete. Gott sah es. Kolosser 3:23 sagt, was schon Genesis 31 zeigt: dem Herrn, nicht den Menschen, dient man.
  4. Räume Hausgötzen aus. Was bei Laban ein Schnitzwerk war, ist bei uns oft eine Gewohnheit, eine Sucht, ein heimliches Vertrauen. Wer Gott folgt, lässt diese Götzen zurück.
  5. Lerne, deine eigene Vergangenheit zu lesen. Jakob wurde selbst zum Getäuschten. Manche Lektionen lehrt Gott durch Menschen, die ähnlich handeln wie wir es taten. Demut wächst, wenn der Spiegel kommt.

Verwandte Verse

Besinnung

Die Bibel verschönt Laban nicht. Er ist klug, raffiniert, religiös vermischt. Aber Gottes Plan läuft durch sein Haus. Das ist die wiederkehrende Pointe: Gott braucht keine perfekten Familien, um seine Verheißung weiterzutragen. Er braucht Menschen, die im Schatten anderer dienen können, ohne darüber zu verbittern. Jakob lernte das in vierzehn Jahren bei Laban. Du lernst es vielleicht in einer ähnlichen Schule. Halte still, halte fest, halte Gottes Wort höher als deine Enttäuschung.

Häufige Fragen

Wer war der Vater von Lea und Rahel?

Laban, ein Aramäer aus Haran, war der Vater beider Frauen und der Bruder Rebekkas, also der Onkel Jakobs. Genesis 29:16 nennt seine zwei Töchter: Lea, die ältere, und Rahel, die jüngere.

Wie täuschte Laban den Jakob?

Genesis 29:23-25 berichtet, dass Laban am Morgen nach der Hochzeit Lea statt Rahel zu Jakob brachte. Jakob hatte sieben Jahre für Rahel gedient. Laban verteidigte sich mit dem ortsüblichen Brauch, die ältere Tochter zuerst zu verheiraten.

Wie viele Frauen hatte Jakob durch Laban?

Jakob heiratete schließlich beide Töchter Labans, Lea und Rahel, und nahm zudem ihre beiden Mägde Silpa und Bilha. Aus diesen vier Frauen kamen die zwölf Söhne, die Stammväter Israels.

Welche Lehre zieht die Bibel aus dem Verhalten Labans?

Die Genesis-Erzählung zeigt Laban als raffinierten Geschäftsmann, der Jakob immer wieder übervorteilt. Aber Gott bewahrt Jakob inmitten dieser Täuschung und mehrt ihn (Genesis 31:7). Wer von Menschen ausgenutzt wird, wird oft von Gott gesehen und gerecht entlohnt.

Welcher Stamm Israels stammt von Lea?

Aus Lea stammen sechs der zwölf Söhne Jakobs: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issaschar und Sebulon. Aus Juda kommt das Königshaus Davids und schließlich Christus (Matthäus 1:2-3).