Ehre, wem Ehre gebührt: Zitat und Bibel

Eine Betrachtung über das Zitat „Ehre, wem Ehre gebührt“ — seinen Ursprung in Römer 13:7, sein Echo in 1. Petrus 2:17, und was es im heutigen Alltag bedeutet. Tag 273 des Plans Bibel in einem Jahr.

Der Vers

„So gebet nun jedermann, was ihr schuldig seid: Schoß, dem der Schoß gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.“ Römer 13:7 (Luther 1912)

Das Zitat „Ehre, wem Ehre gebührt“ ist in die deutsche Sprache eingegangen — oft ohne Bibelbezug. Tatsächlich stammt es aus Paulus' Brief an die Römer und ist eingebettet in eine dichte Betrachtung über das Verhältnis des Christen zur Obrigkeit.

Zusammenhang

Römer 13:1-7 ist eine der schwierigsten Passagen des Neuen Testaments. Paulus schreibt an Christen in Rom — der Hauptstadt eines heidnischen Weltreichs, das bald schon seine Gläubigen verfolgen wird. Trotzdem sagt er: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott“ (V. 1). Das war und ist kein Freibrief für jede Tyrannei — aber eine grundsätzliche Anerkennung, dass staatliche Ordnung nicht außerhalb von Gottes Sicht steht.

Im Vers 7 wendet Paulus das auf vier konkrete Verpflichtungen an: Steuer, Zoll, Furcht, Ehre. Interessant ist die Progression. Die ersten zwei sind materiell, die letzten zwei sind innerlich. Man kann Steuern zahlen, ohne jemanden zu achten; aber ein Christ soll auch das Innere nicht verweigern, wo es zu Recht gebührt.

1. Petrus 2:17 sagt denselben Gedanken im Telegrammstil: „Tut Ehre jedermann, habt die Brüder lieb; fürchtet Gott, ehret den König.“ Das sind vier Befehle in elf Worten — und ihre Reihenfolge ist bemerkenswert. Ehre gebührt jedem Menschen, weil jeder Mensch Gottes Bild trägt (1. Mose 1:27). Liebe gebührt den Geschwistern im Glauben. Furcht steht Gott allein zu. Ehre darüber hinaus auch dem König, also dem Amtsträger.

Bedeutung

Was heißt in der Bibel Ehre geben?

Ehre ist Anerkennung von etwas Realem. Das griechische Wort (timē) bedeutet „Wert, Schätzung, Würde“. Ehre zu geben heißt nicht, jemanden zu etwas zu machen, das er nicht ist — es heißt, ihn so zu behandeln, wie seine Stellung oder sein Dienst es tatsächlich verdient. Einem Lehrer gebührt die Ehre des Lehrers. Einem Vater die des Vaters. Einem Mitmenschen die der geschaffenen Würde.

Ehre ist eine Form der Gerechtigkeit. Paulus stellt Ehre in eine Reihe mit Steuer und Zoll. Wer sie verweigert, schuldet etwas. Das ist ungewohnt, weil wir Ehre oft als freiwillige Sympathie verstehen. Die Bibel nennt sie eine Pflicht. Sie zu geben ist Gerechtigkeit; sie zu verweigern ist Unrecht.

Ehre ist differenziert. 1. Petrus 2:17 unterscheidet vier Haltungen: Ehre — Liebe — Furcht — Ehre. Das ist keine Schablone, sondern eine Landkarte. Man ehrt den Fremden anders als den Bruder, Gott anders als den König. Ein reifer Christ erkennt, was wem gebührt, und gibt es.

Ehre hat Grenzen. Die Bibel ehrt die Obrigkeit, vergöttert sie aber nicht. „Fürchtet Gott“ steht vor „ehret den König“. Wo der Staat Gott widerspricht, hört die Ehre auf, und Gehorsam geht an Gott (Apostelgeschichte 5:29). Das ist kein Revolutionsruf, aber eine klare Reihenfolge.

Wie du es anwendest

  1. Sprich gut über die, die dienen. Lehrer, Ärzte, Polizisten, Müllabfuhr, Pfleger. Ehre beginnt am Frühstückstisch und im Gespräch — nicht in offiziellen Akten.
  2. Zahle, was du schuldig bist. Steuern, Zölle, Rechnungen. Paulus setzt diese Pflicht voran. Christliche Ehrlichkeit ist praktisch, nicht nur moralisch.
  3. Gib jedem die Würde des Menschen. 1. Petrus sagt: „Tut Ehre jedermann“. Auch dem Obdachlosen, auch dem schwierigen Nachbarn, auch dem politischen Gegner. Die Ehre gilt nicht ihrer Leistung, sondern dem Menschsein.
  4. Ehre deine Eltern konkret. Das fünfte Gebot heißt „Ehre“, nicht „gehorche im Kindesalter“. Als Erwachsener bedeutet das: anrufen, besuchen, zuhören, im Alter versorgen.
  5. Lass Ehre nicht zu Schmeichelei werden. Ehre ist wahr, Schmeichelei ist gekauft. Was biblisch ehrt, ist das, was wirklich gebührt — nicht, was man sich durch Lob erkaufen will.

Verwandte Verse

Besinnung

Die Versuchung unserer Zeit ist, Ehre abzureißen, bevor sie verdient wird, und sie selten zu geben, wo sie gebührt. Die Bibel setzt einen anderen Maßstab. Ehre zu geben ist keine Schwäche — es ist ein Zeichen der Stärke eines Menschen, der weiß, wer er ist, und deshalb anderen ihre Stellung nicht neidet. Wer heute einen Satz des Respekts sprechen könnte, wo er sich bisher gescheut hat — an den Chef, an den Partner, an den Vater — handelt in genau dieser Linie. „Ehre, dem die Ehre gebührt“ ist keine Floskel. Es ist eine Aufforderung, Gerechtigkeit in kleinen Worten zu üben.

Häufige Fragen

Woher stammt das Zitat „Ehre, wem Ehre gebührt“?

Das Zitat geht auf Römer 13:7 zurück. Luther 1912 übersetzt: „So gebet nun jedermann, was ihr schuldig seid: Schoß, dem der Schoß gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.“

Was meint Paulus damit?

Er meint, dass Christen öffentlichen Verpflichtungen nachkommen sollen — Steuern, Respekt, Ehre, Furcht — weil staatliche Ordnung von Gott gegeben ist. Ehre ist eine Form der Gerechtigkeit im Zusammenleben.

Gilt das auch für schlechte Obrigkeit?

Paulus schrieb den Satz im römischen Kaiserreich, in dem Christen nicht besonders geschätzt wurden. Ehre gebührt dem Amt, nicht zwingend der Person. Sie endet aber dort, wo Obrigkeit Böses gebietet — „man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5:29).

Was sagt 1. Petrus 2:17 dazu?

1. Petrus 2:17 ordnet Ehre in vier Sätzen: „Tut Ehre jedermann, habt die Brüder lieb; fürchtet Gott, ehret den König.“ Ehre ist also weit — sie gebührt jedem Menschen —, doch mit Unterscheidung: Liebe der Gemeinde, Furcht Gott, besondere Ehre dem Amtsträger.

Wie wende ich das im Alltag an?

Indem wir anerkennen, wo andere ehrenhaft handeln — Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Richter, Helfer. Durch freundliches Reden, Zuverlässigkeit, Zahlung fälliger Abgaben und den Verzicht auf das schnelle Abreißen des Respekts.