Tag 22

Herr, wie lange noch??

Weisheit Psalm 13,2+6
Neues Testament Matthäus 15,22+28
Altes Testament 1.Mose 43,13-14

Einführung

Sicher hast du dich auch schon Mal gefragt, „Herr, wie lange noch?“ Wie lange muss ich noch durchalten? Wie lange dauert dieser finanzielle Engpass noch an? Wie lange die Krankheit? Wie lange wird die Beziehungskrise noch andauern? Wie lange, bis ich die Sucht besiegt habe? Wie lange brauche ich noch, bis Trauer und Traurigkeit überwunden sind?

Meine Frau Pippa und ich besuchen gelegentlich eine unserer so genannten „Church Plants”, St. Peter‘s in Brighton. Einmal kam nach dem Gottesdienst eine Frau auf mich zu und erzählte mir, dass sie 37 Jahren lang gebetet hatte, dass ihr Mann zum Glauben kommt. 37 Jahren lang hatte sie zu Gott gefleht, „Herr, wie lange noch?“

Sie erzählte, dass als St. Peter’s dann 2009 wiedereröffnet wurde, ihr Mann den Entschluss fasste, sie in die Gemeinde zu begleiten. Während sie so am Erzählen war, gesellte sich ihr Mann zu uns und fügte hinzu, dass er sich schon beim ersten Betreten von St. Peter’s gefühlt habe, als sei er nach Hause gekommen, wie „neu geboren“. Inzwischen ist ihm die Gemeinde ans Herz gewachsen, und er kommt jede Woche. Gott hat die flehende Bitte seiner Frau erhört. Immer wieder wiederholte sie die Worte „Herr, wie lange?“ mit freudestrahlendem Gesicht.

Viermal ruft David in kurzer Folge aus, „Wie lange…?“ (Psalm 13,2-3).

In manchen Phasen unseres Lebens kommt es uns vor, dass Gott uns vergessen hat (Ps 13,2a), Als habe Er Sein Gesicht abgewendet (13,2b). Aus unerklärlichen Gründen spüren wir Seine Gegenwart nicht. Jeder Tag ist ein Kampf voller Kummer und Sorgen, den wir zu verlieren scheinen (13,3).

Weisheit

Psalm 13,2+6

2 HERR, wie lange wirst du mich noch vergessen,
  wie lange hältst du dich vor mir verborgen?

6 Ich aber vertraue auf deine Liebe und juble darüber,
  dass du mich retten wirst.
  Mit meinem Lied will ich dich loben,
  denn du, HERR, hast mir Gutes getan.

Kommentar

Rufe zu Gott in der dunklen Nacht Deiner Seele

Davids Vorbild legt vier Dinge nahe, die du in schweren Zeiten weiterhin tun sollst:

• Weiter beten
David fleht weiter zu Gott, „Wende dich mir zu und erhöre mich, Herr, mein Gott! (13,4). In diesem Psalm schüttet er sein Herz aus bei Gott. Hör nicht auf zu beten, wenn Gott fern scheint.

• Weiter vertrauen
„Ich verlasse mich auf deine Liebe“ (13,6a). In guten Zeiten zu glauben, ist verhältnismäßig einfach. Am Glauben festzuhalten aber, wenn es nicht so läuft, ist eine Bewährungsprobe für den Glauben.

• Weiter jubeln
Er jubelt nicht über seine Anfechtungen, sondern dass Gott ihn daraus erlöst: „Ich freue mich, dass du mich retten wirst“ (13,6b); „ich juble über deine Hilfe“ (GNB).

• Weiter Gott mit Liedern preisen
Trotz allem, was er durchgemacht hat, ist David in der Lage, Gottes Güte zu sehen: „Ich will dem Herrn ein Loblied singen“ (13,6b). Er erinnert sich an all das Gute, das Gott schon für ihn getan hat.

Gott zu loben und mit Liedern zu preisen, schenkt eine neue Perspektive auf deine Probleme. Mir hilft es gelegentlich zurückzublicken und dem Herrn dafür zu danken, dass Er mich schon durch so viele persönliche Kämpfe, Enttäuschungen und Verluste hindurch getragen hat, und mich so zu erinnern, wie Er dabei „so gut zu mir war“ (13,6c).

Gebet

Herr, ich preise Dich heute. Du bist so gut zu mir! Herr, ich vertraue darauf, dass Du mir auch in den bevorstehenden Kämpfen helfen wirst. Ich vertraue auf Deine nicht endende Liebe.

Neues Testament

Matthäus 15,22+28

22 Dort begegnete ihm eine kanaanitische Frau, die in der Nähe wohnte. Laut flehte sie ihn an: »Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Meine Tochter wird von einem bösen Geist furchtbar gequält.«
28 Da sagte Jesus zu ihr: »Dein Glaube ist groß! Was du willst, soll geschehen.« Im selben Augenblick wurde ihre Tochter gesund.

Kommentar

Folge Jesus weiter nach

Auf etwas warten zu müssen, bedeutet nicht, dass Gott Seine Zusagen nicht hält. Gott schenkt nicht immer eine unmittelbare Veränderung der Situation. Krankheit und Leid werden erst endgültig ausgelöscht, wenn Jesus wiederkommt. Diese Geschichten und unsere ganz persönlichen Wunder und Heilungen sind der Vorgeschmack auf das, was dann geschehen wird.

Gottes Freundlichkeit und Güte erkennen wir vor allem in Jesus. In unserem Abschnitt heute sehen wir einmal mehr ein Beispiel für Jesu erstaunliche Güte und wie wir mit Schuld und Sünde, mit Krankheit und Leid umgehen sollen.

• Arbeite kontinuierlich an deinen Gedanken
Jesus sagt, wir haben keine Probleme mit oberflächlichen Dingen, wie beispielsweise, was wir essen (15,11). „Alles, was ihr esst, geht durch den Magen und verlässt dann wieder den Körper“ (15,17). Was uns schadet, kommt aus dem Inneren. „Was aber aus dem Mund herauskommt, kommt aus dem Herzen“ (15,18; GNB). Unser eigentliches Problem ist die Sünde in unseren Herzen, denn „aus dem Herzen kommen böse Gedanken wie zum Beispiel Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, Lüge und Verleumdung. Das macht unrein“ (15,19-20a).

Jesu Worte werden für uns alle zur Herausforderung, denn auch wenn wir weder einen Mord oder Ehebruch begangen haben, scheitern wir doch bereits an der ersten Hürde – an den „bösen Gedanken“. Die Lösung für unsere Sünde liegt aber nicht, wie die Pharisäer propagieren, in irgendwelchen äußerlichen Ritualen. Nur Gott kann mein Herz verändern. Ich brauche Seinen Heiligen Geist, der mich verwandelt und rein macht.

• Bete beständig für Heilung
Kaum etwas ist schwerer erträglich, als die eigenen Kinder leiden zu sehen. Die Tochter der kanaanitischen Frau litt „schlimme Qualen“ (15,22). Sie flehte mit Sicherheit auch im Herzen, „Herr, wie lange?“. Aber sie bat weiter um die Heilung ihrer Tochter und ließ sich auch dann nicht entmutigen, als es den Anschein hatte, Er würde ihrer Bitte kein Gehör schenken. „Sie lief jedoch hinter ihm her, warf sich vor ihm nieder und bat ihn wieder: „Herr, hilf mir doch!““ (15,25).

Jesus sah, ihr „Glaube [war] groß” und heilte ihre Tochter (15,28). Und dann heilte Er die „Gelähmten, Verkrüppelten, Blinden, Stummen und vielen anderen Kranken“ (15,30; GNB).

• Setze dich für ein Ende des Hungers in der Welt ein
Jesus kümmert Sich nicht nur um die Kranken (15,22ff), sondern auch um die Hunger Leidenden: „Mir tun diese Menschen Leid. Sie waren nun drei Tage lang bei mir, und jetzt haben sie nichts mehr zu essen. Ich will sie nicht hungrig wegschicken“ (15,32).

Jesus vermag viel zu tun mit sehr wenig. Mit dem wenigen Lebensmitteln, die Er zur Verfügung hatte, speist Er die Menge. Wenn du Ihm dein Leben und deine Mittel gibst, kann Er beides vervielfachen und Großes damit bewirken.

Wenn Jesus Sich schon kurzfristig um den Hunger der Menschen sorgte, wie viel mehr müssen Ihm da die Millionen von Menschen weltweit am Herzen liegen, die heute an Unter- und Mangelernährung leiden. Als Nachfolger Jesu sind wir aufgefordert, uns für diese Menschen einzusetzen und aktiv zu werden.

Man möchte meinen, alle stimmten Jesus hierin zu. Weit gefehlt. Die Pharisäer waren aufgebracht (15,12), als sie Ihn hörten. Wenn sich die Menschen schon damals an Jesu Worten stießen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass heutzutage das, wofür sich Christen und die Kirche einsetzen, viele Gemüter erregt.

Gebet

Herr, schenke mir Mitgefühl für Menschen, die leiden. Komm, Heiliger Geist.

Altes Testament

1.Mose 43,13-14

13 Macht euch mit Benjamin auf den Weg. 14 Ich bete zum allmächtigen Gott, dass der ägyptische Herrscher Mitleid mit euch hat und Simeon und Benjamin freigibt. Und wenn ich meine Kinder verliere, dann muss es wohl so sein!«

Kommentar

Hoffe weiter

Gut möglich, dass Jakob wie David zu Gott gerufen hat, „Herr, wie lange?“ (Psalm 13,2a). Zwanzig Jahre trauerte er nun schon um seinen verlorenen Sohn. Und jetzt stand eine schwere Hungersnot bevor (43,1), und er musste befürchten, auch noch seinen geliebten Sohn Benjamin zu verlieren. „Warum musstet ihr mir das antun?“ (43,6), fragt er. Und resigniert, fügt er hinzu, „Und wenn ich euch auch noch verlieren muss, dann soll es wohl so sein“ (43,14).

Letzten Endes blieb Jakob nichts anderes übrig, als Gott zu vertrauen und seinen Sohn Benjamin ziehen zu lassen. Als er dazu bereit war, wendete sich die Sache zum Guten. Oft müssen wir erst loslassen und die Situation ganz in Gottes Hand legen – vielleicht mit den schlimmsten Befürchtungen – damit Gott alles zum Guten wenden kann.

Der Verfasser dieses Abschnittes in 1. Mose ist ein großartiger Geschichtenerzähler. Wie er die Spannung steigert. Juda weiß, wenn sein Vater neben Jakob auch noch Benjamin verliert, würde ihn das wahrscheinlich umbringen. Er spricht von dem „Schmerz [den] ihm das zufügen würde“ (44,34). Als Leser wissen wir natürlich die ganze Zeit, dass Josef am Leben ist und dass sich seine Träume erfüllen (43,26-28). Josef ist sehr „aufgewühlt“ und „suchte einen Ort auf, wo er weinen konnte“ (43,30; SLA).

Jakob stellt seinen Bruder auf die Probe, aber Juda hat sich sehr verändert. Früher hatte er kaltblütig den Bruder in die Sklaverei verkauft (37,26-27), jetzt ist er bereit, sein Leben zu geben, um den Bruder zu retten: „Lassen Sie mich anstelle des Jungen als Sklaven für meinen Herrn hier bleiben und lassen Sie den Jungen mit seinen Brüdern zusammen heimkehren“ (44,33).

Wir sehen, dass Gott durch alle Wendungen in der Geschichte, Sein Ziel verfolgt. Gott arbeitet die ganze Zeit an deinem Charakter, sodass du eines Tages zurückblicken und sagen kannst: der „Herr .. ist so gut [zu mir] gewesen“ (Psalm 13,6).

Jakob musste seinen „einzigen“ („er allein ist mir übrig geblieben“ 42,38) Sohn Benjamin schicken, um die ganze Familie zu retten. Wenn wir diese Geschichte durch die Brille des Neuen Testaments lesen, erinnern wir uns, dass Gott Seinen einzigen Sohn sandte, um uns zu retten.

Gebet

Herr, danke, dass Du Jesus gesandt hast, mich zu retten. Wenn ich in schweren Zeiten zu Dir rufe, „Herr, wie lange noch?“, hilf mir durchzuhalten, weiter zu beten, zu vertrauen, zu jubeln und anzubeten.

Pippa fügt hinzu

1.Mose 43,1–44,34

Das ist ein unglaublich bewegender und spannender Abschnitt. So viel Schmerz, Eifersucht, Betrug und Lieblosigkeit von allen. Josef will wissen, wie es inzwischen in ihren Herzen aussieht. Haben sie sich verändert? Tut ihnen Leid, was sie einst getan haben? Als sich seine Brüder vor ihm verneigen, muss die Versuchung groß gewesen sein zu sagen, „Erinnert ihr euch noch an meine Träume? …Hab ich es euch nicht gesagt?“ Es gibt Dinge, die nur für unsere persönliche Ermutigung oder zum Gebet gedacht sind, und die wir besser für uns behalten.

Vers des Tages

Psalm 13,6

Ich vertraue auf deine Gnade.

Thought for the Day

Jesus vermag viel zu tun mit sehr wenig. Mit dem wenigen Lebensmitteln, die Er zur Verfügung hatte, speist Er die Menge. Wenn du Ihm dein Leben und deine Mittel gibst, kann Er beides vervielfachen und Großes damit bewirken.
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Verweise

Diesen Texten liegt die englisch-sprachige Bible in one Year („BIOY“) von Nicki und Pippa Gumbel, London, England zugrunde, in der aktuelle Fassung von 2021.
Quellenangaben für Zitate im Text wurden dem englischen Original entnommen.
BIOY ist Teil von Alpha International. Alpha International ist eine Organisation („registered Charity“) in England und Wales (no. 1086179) und in Schottalnd(no. SC042906) und eine Gesellschaft privaten Rechts „by guarantee“ und registriert in England & Wales (no. 4157379). Der Hauptsitz ist „HTB Brompton Road SW7 1 JA London, England. © Copyright Alpha International 2021

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde erstellt von: Dipl. Übersetzerin Wibke Kiontke, Allgemein ermächtigte Übersetzerin EN/DE, Certified Translator EN/GE, Gutensteinstraße 12, D-61250 Usingen
Sprecher: Jörg Pasquay, Milchberg 7, 86150 Augsburg www.wortmuehle.de und Susanne Pasquay („Noch ein Gedanke meiner Frau“)

Die Bibeltexte (Lesungen) sind der Übersetzung „Hoffnung für alle®“ entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis, Basel.“

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