Tag 325

Vollmächtiges Gebet

Weisheit Psalm 130,1–5
Neues Testament Jakobus 5,13–18
Altes Testament Hesekiel 40,4

Einführung

Ein Gemeindemitglied bat mich einmal, für seine Frau zu beten, die unerwartet ins Krankenhaus eingeliefert worden war und operiert werden sollte.

Ich war zufällig in der Gegend unterwegs, weil meine steife Schulter gespritzt werden sollte, die mir schon seit fast zwei Jahren zu schaffen machte. In den letzten Tagen war überraschend eine deutliche Besserung spürbar geworden, was ich dem Arzt natürlich erzählte. Er sah mich an und sagte, „Das ist ein Wunder!“ Ich fragte ihn, ob es nicht völlig normal sei, dass das Frozen Shoulder Syndrom sich plötzlich bessert. Aber er wiederholte immer wieder, „Nein, es ist ein Wunder.“ Da war dieser weltliche Arzt, der einen recht ungläubigen Pastor zu überzeugen suchte, dass das, was passiert war, nur mit der übernatürlichen Kraft Gottes zu erklären sei!

Ich dankte ihm herzlich, meinen Glauben gestärkt zu haben, denn ich sollte im Anschluss ja im Krankenhaus beten. Als ich das Foyer betrat, sang der Pförtner (ziemlich laut!): „Leg den Kranken die Hände auf und sie werden gesund.“ Ich sagte, „Deshalb bin ich hier.“ Er sah mich schockiert und sehr überrascht an. Offenbar hielt er mich nicht für die Art Mensch, die das tatsächlich glaubte!

Ich ging in das Krankenzimmer der Frau und erklärte, warum ich voll des Glaubens war. Sie erzählte mir dann, sie habe Jakobus 5 (unseren heutigen Abschnitt) gelesen. Dort heißt es, „Ist einer von euch krank? Dann soll er die Ältesten der Gemeinde holen lassen, damit sie für ihn beten… Ihr Gebet im Glauben an Gott wird den Kranken heilen“ (Jakobus 5,14-15). Inzwischen hatte Gott selbst mir genügend Zeichen gegeben, „im Glauben“ zu beten. Der Heilige Geist kam mit Vollmacht. Sie wurde nicht sofort geheilt (obwohl es ihr mittlerweile besser geht), aber die Begebenheit hat mir geholfen, besser zu verstehen, was es heißt, „im Glauben zu beten“.

Der chinesische Prediger, Watchman Nee, schrieb: „Unsere Gebete bereiten den Weg, auf dem Gottes Macht kommen kann. Wie eine starke Lokomotive ist Seine Macht unwiderstehlich, aber ohne Schienen kann Er uns nicht erreichen.“

Wie kannst du mit Vollmacht beten?

Weisheit

Psalm 130,1–5

1 Ein Lied für Festbesucher,
 die nach Jerusalem hinaufziehen.
 HERR, aus tiefster Verzweiflung schreie ich zu dir!
2 Bitte höre mich an, HERR!
 Lass mein Flehen doch zu dir dringen!

3 Wenn du, HERR, jedes Vergehen
 gnadenlos anrechnest,
 wer kann dann vor dir bestehen?
4 Doch bei dir finden wir Vergebung.
 Ja, du vergibst, damit wir dir in Ehrfurcht begegnen.

5 Ich setze meine ganze Hoffnung auf den HERRN;
 ich warte auf sein erlösendes Wort.

Kommentar

Bete aufrichtig

Warst du schon einmal zutiefst verzweifelt? Fühltest dich, als sei „dir der Boden unter den Füßen weggezogen“ worden (130,1; nach The Message Bible)? Der Psalmist schreibt, „Aus der Tiefe meiner Not schreie ich zu dir. Herr, höre mich doch! Sei nicht taub für meinen Hilferuf“ (1-2; GNB).

Deine Gebete und Gottes Gnade sind wie zwei Eimer in einem Brunnen. Wird der eine hochgezogen, geht der andere hinab.

Aus dem Gebet spricht aufrichtige Verzweiflung. Versuche nicht, die Schwere deiner Situation schönzureden, sondern erkenne vielmehr, wie sehr du auf Gottes Hilfe angewiesen bist.

Vertraue auf Gottes Gnade und Vergebung:

 „Wenn du, HERR, jedes Vergehen gnadenlos anrechnest,
  wer kann dann vor dir bestehen?
 Doch bei dir finden wir Vergebung“ (3-4a; Hfa).

Wenn Gott dir deine Verfehlungen nicht anrechnet, solltest du auch keine Listen über die Vergehen anderer gegen dich führen. Liebe trägt das Böse nicht nach (1. Korinther 13,5).

Du musst nicht erst dein Leben auf die Reihe bekommen, bevor du dich Gott näherst. Er möchte deine Herzensschreie hören.

Wie verzweifelt die Lage auch ist, du kannst zuversichtlich auf Gottes Hilfe hoffen (130,6). Bring deine Bitten vor Gott. Warte geduldig (5) und vertraue Seiner unerschöpflichen Liebe (7).

Gebet

Herr, aus tiefster Verzweiflung rufe ich Dich um Gnade und Hilfe an… Danke, dass bei Dir Vergebung und unerschöpfliche Liebe ist.

Neues Testament

Jakobus 5,13–18

13 Leidet jemand unter euch? Dann soll er beten! Hat einer Grund zur Freude? Dann soll er Gott Loblieder singen. 14 Wenn jemand von euch krank ist, soll er die Gemeindeleiter zu sich rufen, damit sie für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. 15 Wenn sie im festen Vertrauen beten, wird der Herr den Kranken heilen. Er wird ihn aufrichten und ihm vergeben, wenn er Schuld auf sich geladen hat. 16 Bekennt einander also eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Denn das Gebet eines Menschen, der nach Gottes Willen lebt, hat große Kraft.

17 Elia war ein Mensch wie wir. Er betete inständig, es möge nicht regnen, und tatsächlich fiel dreieinhalb Jahre kein Wassertropfen auf das Land. 18 Dann betete er um Regen. Da öffnete der Himmel seine Schleusen, und die Erde wurde grün und brachte wieder ihre Früchte hervor.

Kommentar

Bete in allen Situationen

Ein Hindernis für die Kraft Gottes in deinem Leben kann sein, dass du auf andere Dinge als auf Gott vertraust. In gewisser Hinsicht sind Glaube und Wohlstand wie Öl und Wasser. Sie lassen sich nur schwer mischen und kommen selten zusammen daher.

Geld ist an und für sich nichts Verwerfliches. Mit Wohlstand sind jedoch große geistliche Gefahren verbunden – Hochmut, Gier, Selbstgefälligkeit und die Missachtung der Bedürfnisse anderer Menschen (5,1-6).

Die größte Gefahr des Wohlstands (den die meisten Menschen in der westlichen Welt genießen) ist, dass wir mehr auf das Geld als auf Gott setzen (1. Timotheus 6,17). Wie kommt es, dass es in den ärmeren Regionen dieser Welt ungleich mehr Heilungswunder gibt? Vielleicht ist Wohlstand ein potentielles Hindernis für unseren Glauben, der unser Vertrauen in eine falsche Richtung lenkt? Du sollst deine Hoffnung auf den Einen setzen, der Sich um all deine Belange in jeder Situation kümmert.

Die Adressaten des Briefes machen eindeutig schwere Zeiten durch. Jakobus ermutigt sie, „ihr müsst geduldig sein. Und seid zuversichtlich“ (5,8). Er gibt ihnen Hiob als Vorbild für Geduld, der „im Leiden durchgehalten [hat]“ (11a) und erinnert sie, dass Gott „voll Mitgefühl und Barmherzigkeit ist“ (11b).

Bete in allen Situationen:

1. Wenn du leidest
„Leidet jemand von euch? Dann soll er beten“ (13a). Man sagt, die meisten von uns haben große Mühe zu beten, wenn wir wenig Sorgen haben; aber wenig Mühe zu beten, wenn wir große Sorgen haben.

2. Wenn es dir wunderbar geht
„Und wer Grund zur Dankbarkeit hat, soll dem Herrn Loblieder singen“ (13b). Augustinus von Hippo sagte, „der Gedanke an Dich bewegt [eine Person] so stark, dass sie nicht anders kann, als Dich zu preisen.“

3. Wenn du krank bist
„Ist einer von euch krank? Dann soll er die Ältesten der Gemeinde holen lassen…“ (5,14). Selbstverständlich heilt Gott häufig im Zusammenwirken mit dem Beruf des Arztes. Aber rechne auch damit, dass Gott heute noch durch Wunder heilt.

4. Wenn du gesündigt hast
Es gibt keinen automatischen Zusammenhang zwischen Sünde und Krankheit. Aber wir können die Möglichkeit auch nicht ausschließen. Jakobus sagt hier, „Und wenn [du] Sünden begangen [hast], wird Gott [dir] vergeben. Bekennt einander eure Schuld und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet“ (15b-16).

Uns gegenseitig unsere Schuld zu bekennen und für einander zu beten, befördert den Heilungsprozess und die Wiederherstellung. Wenn wir manches in unserem Leben im Dunkeln verbergen, kann es zerstörerische Kräfte entwickeln. Sie ans Licht zu bringen, ist befreiend. Das heißt nicht notwendigerweise, dass wir es aller Welt erzählen müssen. Aber du brauchst wenigstens eine Vertrauensperson, mit der du vollkommen aufrichtig sein, dich verletzlich zeigen und vor der du deine Schuld abladen kannst.

Gebet hat Macht und ist wirksam. Jakobus unterstreicht das deutlich, als er an Elia erinnert. Er kontrollierte mit seinen Gebeten einst das Wetter und beendete so eine große Dürre. Und trotzdem sagt Jakobus über ihn, „Elia war ein Mensch wie wir“ (17a). Mit anderen Worten, was Elia konnte, kannst du auch!

Gebet

Herr, danke, dass Du meine Gebete hörst. Heute bete ich…

Altes Testament

Hesekiel 40,4

4 Er sagte zu mir: »Du Mensch, hör mir gut zu und sieh dir genau an, was ich dir zeigen werde. Achte auf alles, denn du bist hierhergebracht worden, damit ich es dir offenbare. Was du siehst, sollst du dem Volk Israel berichten!«

Kommentar

Bete mit offenen Augen und Ohren

Gebet ist kein Monolog, sondern ein Dialog. Gott spricht mit dir, während du betest.

Hesekiel „spürte [..], wie der Herr seine Hand auf [ihn] legte“ (40,1). Er war als Prophet und Priester berufen. In kleinerem oder größerem Maße ist das der Auftrag eines jeden Nachfolger Jesu. Was bringt das mit sich? (40,4)

1. Sehen: „sieh mit deinen Augen
Beobachte alles um dich herum mit Augen des Geistes. D.L. Moody prägte den Satz, „Ein kniender Christ sieht mehr als ein Philosoph auf Zehenspitzen.“

2. Hören: „höre mit deinen Ohren
Hör darauf, was der Herr zu alledem zu sagen hat. In unserer wechselseitigen Kommunikation mit Gott ist das, was Er dir sagt, wichtiger als das, was du Ihm zu sagen hast.

3. Achten: „pass genau auf
„Aufmerksamkeit ist die seltenste und reinste Form der Großzügigkeit“, schrieb Simone Weil. Dies gilt für alle Beziehungen, auch für deine Gottesbeziehung.

4. Weitersagen: „erzähle… alles
Es reicht nicht, nur zu sehen und zu hören. Wir müssen auch danach handeln. Sei bereit auszusprechen, was Gott dir gesagt hat.

Hesekiel bekommt eine Vision von einem neuen Tempel. Es ist ein visionärer Tempel, der symbolisch gesehen werden soll. Insofern gleicht er der Stadt, die in Offenbarung 21,16 beschrieben ist. Der Tempel ist symmetrisch und perfekt.

Im Herzen des Tempels befindet sich eine Kammer, in der die Priester „vor dem Altar [vor Gott] Dienst tun“ (40,46). Es war im Alten Testament nur einigen wenigen vorbehalten, vor den Herrn zu kommen.

Jetzt aber kannst du durch Christi Blut dem Herrn nahe sein und vor Ihm dienen (Epheser 2,13). Was für ein großes und wundervolles Vorrecht. Achte mit offenen Augen und Ohren darauf, was Gott dir sagt. Hab den Mut zu reden und den Glauben, „im Glauben zu beten.“ Gebete haben Kraft.

Gebet

Herr, ich danke Dir für die außerordentliche Kraft des Gebets. Bitte sprich heute zu mir, während ich mich Dir nähere.

Pippa fügt hinzu

Jakobus 5,17

„Elia war ein Mensch wie wir…“

Ich fühle mich nicht so, als sei ich Elia besonders ähnlich. Er betete und es dauerte dreieinhalb Jahre bis es regnete. Ich habe gebetet, dass an der Hochzeit unserer Tochter nicht regnet. Hat es auch nicht. Es hat geschneit!

Vers des Tages

Jakobus 5,13a

Leidet jemand unter euch? Dann soll er beten!

Thought for the Day

Gebet ist kein Monolog, sondern ein Dialog. Gott spricht mit dir, während du betest.
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Verweise

Diesen Texten liegt die englisch-sprachige Bible in one Year („BIOY“) von Nicki und Pippa Gumbel, London, England zugrunde, in der aktuellen Fassung von 2021.
Quellenangaben für Zitate im Text wurden dem englischen Original entnommen.
BIOY ist Teil von Alpha International. Alpha International ist eine Organisation („registered Charity“) in England und Wales (no. 1086179) und in Schottland (no. SC042906) und eine Gesellschaft privaten Rechts „by guarantee“ und registriert in England & Wales (no. 4157379). Der Hauptsitz ist „HTB Brompton Road SW7 1 JA London, England. © Copyright Alpha International 2021

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde erstellt von: Dipl. Übersetzerin Wibke Kiontke, Allgemein ermächtigte Übersetzerin EN/DE, Certified Translator EN/GE, Gutensteinstraße 12, D-61250 Usingen
Sprecher: Jörg Pasquay, Milchberg 7, 86150 Augsburg www.wortmuehle.de und Susanne Pasquay („Noch ein Gedanke meiner Frau“)

Die Bibeltexte (Lesungen) sind der Übersetzung „Hoffnung für alle®“ entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis, Basel.“

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