Tag 147

Gemeinsam sind wir stark

Weisheit Psalm 68,8-11
Neues Testament Johannes 17,20-23
Altes Testament 1. Samuel 20,42

Einführung

Im KZ Buchenwald wurden 56.000 Menschen von einem totalitären System, das im Christentum eine Bedrohung seiner Ideologie sah, ermordet. Es gab einen Block, der als besonders gefährlich eingestuften Häftlingen vorbehalten war. Paul Schneider, ein evangelischer Pfarrer, auch bekannt als „Prediger von Buchenwald“, war dort untergebracht. Selbst durch das kleine Fenster seiner Zelle proklamierte er lauthals das Evangelium Jesu Christi, ohne sich um das Verbot der Gestapowachen zu scheren.

Auch der katholische Priester, Otto Neururer, war wegen seines Einsatzes für Juden und andere „unerwünschte Personen“ zur Bedrohung des NS Regime geworden und saß in diesem Trakt ein. Er diente ebenfalls in Jesu Namen den Mitgefangenen, bis er kopfüber gekreuzigt wurde.

Gemeinsam bezeugten diese beiden Männer, ein Katholik und ein Protestant, ihren gemeinsamen Herrn – Jesus Christus. Gemeinsam sind wir stark.

Weisheit

Psalm 68,8-11

8 Gott, als du vor deinem Volk herzogst
 und mit ihm die Wüste durchquertest,
9 da bebte die Erde; vom Himmel strömte der Regen herab,
 als du dich am Berg Sinai zeigtest, du Gott Israels.
10 Du ließest so viel Regen fallen,
 dass das ausgedörrte Land wieder fruchtbar wurde.
 Das Land, das du uns zum Erbe gegeben hattest,
11 wurde so zur Heimat für dein Volk.
 Du hast für sie gesorgt, du gütiger Gott!

Kommentar

Land und Leute

David sinniert über den Auszug aus Ägypten, die Durchquerung des Sinai und den Einzug in Kanaan. Das waren einige der Höhepunkte in der Geschichte Gottes mit Seinem Volk, als sie eine echte Einheit darstellten.

Der Abschnitt beschreibt, wo dieser Segen und diese Einheit herkommen – nämlich von Gott. Es ist ein Psalm der Danksagung und des Lobes an Gott für alles, was Er getan hat. Er feiert Seine Führung (68,8), Seine Macht und Versorgung (68,9-10), Seine Großzügigkeit, Gerechtigkeit (68,11) und die mit Ihm errungenen Siege (68,12-15).

Gott hatte Sein Volk in das verheißene Land geführt. Und doch scheint es heute unmöglich, in diesem Gebiet Einheit herzustellen. Die Suche nach Frieden im Nahen Osten bleibt weiter eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.

Gebet

Herr, danke, dass Du alle Menschen liebst. Ich bete für Frieden und Einheit in den vom Krieg gezeichneten Ländern des Nahen Ostens. Danke, dass Du Quelle und Fundament für Einheit bist.

Neues Testament

Johannes 17,20-23

20 »Ich bitte aber nicht nur für sie, sondern für alle, die durch ihre Worte von mir hören werden und an mich glauben. 21 Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist. So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast. 22 Deshalb habe ich ihnen auch die Herrlichkeit gegeben, die du mir anvertraut hast, damit sie die gleiche enge Gemeinschaft haben wie wir. 23 Ich bleibe in ihnen, und du bleibst in mir. Genauso sollen auch sie vollkommen eins sein. Dann wird die Welt erkennen, dass du mich gesandt hast und dass du meine Jünger liebst, wie du mich liebst.

Kommentar

Kirche und Welt

In den Evangelien lesen wir immer wieder von Jesu Gebetsleben, aber nur an wenigen Stellen bekommen wir einen ausführlicheren Einblick, wofür Er betete. In diesem großartigen Gebet, bevor Er Sich dem Kreuz stellt, erkennen wir Seine Prioritäten.

Jesus betet nicht nur für Seine Jünger, sondern auch für die, die in Zukunft an Ihn glauben werden – man kann also sagen, Er betete für die ganze Kirche – was dich und mich einschließt. (17,20).

Das Gebet wird dominiert von dem Gedanken der Einheit. Jesus betet nicht nur für Einheit unter Seinen Jüngern (17,11), sondern auch für die Einheit Seiner Kirche (17,20). Er betet für Einheit, wie sie die Dreieinigkeit darstellt: „damit sie eins sind, so wie wir eins sind“ (17,11).

1. Das Motiv für Einheit ist Jesu Sendungsauftrag an uns
Jesus betet für vollendete Einheit, damit die Welt glaubt (17,23) und Einheit mit Gott erkennt (17,21.24). Eines der größten Hindernisse für Glauben ist die Uneinigkeit in der Kirche. In der Politik verliert jede Partei an Unterstützung, sobald Uneinigkeit auftritt. Uneinigkeit gibt es in der säkularen Welt, aber noch häufiger in der Kirche. Jesus sagte, dass Er Seine Jünger bewahrt habe, Er hat sie alle zusammengehalten, „sodass nicht einer verloren ging“ (17,12). Jetzt betet Er „aber ich bitte dich, sie vor dem Bösen zu bewahren“ (17,15; NGÜ), vor dem, der alles versuchen wird, sie zu entzweien.

Wenn sich Gemeinden gegenseitig bekämpfen, verlieren die Menschen das Interesse. Wenn sich Gemeinden zusammentun, zieht das die Menschen an. Einheit ist eine Quelle der Freude. Nachfolger Jesu sollen keine Miesepeter sein. Jesus betet, „damit sie von meiner Freude vollkommen erfüllt sind“ (17,13). Freude kommt durch Einheit. Uneinigkeit ist ein Freudenkiller. Gemeinsam sind wir stark.

2. Das Mittel zur Umsetzung der Einheit ist der Heilige Geist
Jesus betet für uns, „heilige sie, indem du sie deine Worte der Wahrheit lehrst“ (17,17). Heiligkeit kommt von der Wahrheit. Und Wahrheit finden wir im Wort Gottes. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Gottes Wort kennen.

Heiligkeit kommt, wenn du den Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, willkommen heißt und Ihn einlädst, in dir Wohnung zu nehmen.

Jesus betet weiter, „damit … ich in ihnen [bleibe]“ (17,26c). Das ist wohl die unbegreiflichste Wahrheit des Neuen Testaments – dass Jesus im Heiligen Geist in dir wohnt. Derselbe Heilige Geist lebt in allen Christen, egal zu welcher Denomination oder Gemeinde du gehörst. Der Heilige Geist eint uns.

3. Das Kennzeichen der Einheit ist die Liebe Jesu
Jesus betet, „damit deine Liebe zu mir in ihnen bleibt“ (17,26b). Gibt es eine höhere Liebe als die Liebe Gottes, des Vaters, zu Seinem Sohn Jesus? Jesus betet, dass du dieselbe Liebe für andere Christen, andere Teile vom Leib Christi im Herzen haben mögest, wie Gott für Jesus.

4. Das Maß der Einheit ist die Sichtbarkeit Jesu
Manchmal ist die Rede von „unsichtbarer Einheit“. Jesus betete aber weder für unsichtbare Einheit, noch bat Er darum, dass wir „fast eins“ seien. Er betete, „damit sie alle zur Einheit vollendet werden. Dann wird die Welt wissen, dass du mich gesandt hast“ (17,23). Er möchte, dass Seine Kirche vollkommen und für die Welt sichtbar geeint ist.

Und das wird sie eines Tages sein (siehe Epheser 1,9-11). In der Zwischenzeit, während wir Brücken bauen, zusammenarbeiten, uns mit Christen aus anderen Teilen der Kirche treffen, während sich unsere Herzen und Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus verbinden, können wir wie in Buchenwald sichtbare Zeichen unserer unsichtbaren Einheit sehen.

Gebet

Herr, ich danke Dir dafür, wie der Heilige Geist uns zusammenbringt. Ich bete, dass wir immer mehr sichtbare Zeichen der Einheit sehen, damit die Welt glaubt.

Altes Testament

1. Samuel 20,42

42 sagte Jonatan: »Geh in Frieden, David! Vergiss nie, was wir einander im Namen des HERRN geschworen haben. Es soll für immer gelten, auch für deine und meine Nachkommen. Der HERR selbst ist unser Zeuge.«

Kommentar

Freunde und Rivalen

In Politik, Wirtschaft und selbst in der Gemeinde ist es möglich, dass sich zwei Menschen, die gute Freunde sind, am Ende um denselben Job oder Posten bewerben. Wie können wir erfolgreich die Spannung zwischen unseren Ambitionen und unserer Freundschaft managen?

Die Freundschaft zwischen David und Jonatan war einzigartig. Sie waren Rivalen um den Thron und hatten jeden Grund, sich gegenseitig zu beneiden und zu hassen. Aber „Jonatan liebte David wie sein eigenes Leben“ (20,17). Diese Art der Liebe, zu der Jesus auffordert, ist die höchste Form von Liebe, die eine Person für eine andere haben kann (Matthäus 22,39).

Saul dagegen war von Neid zerfressen. Es beginnt damit, dass wir uns mit anderen vergleichen. Neid oder Eifersucht sind in der Lage, eine Person vorrübergehend seiner Sinne zu berauben. Als Jonatan seinen Vater Saul darauf hinweist, dass David ihm kein Falsch zugefügt, sondern viel Gutes getan habe, und dass es unrecht sei, einen Unschuldigen zu töten, antwortet Saul, „So wahr der Herr lebt, David soll nicht getötet werden“ (19,6).

Logik und Vernunft mögen eine von Eifersucht zerfressene Person vorrübergehend überzeugen. Aber das Gefühl ist so mächtig, dass es nicht mehr aufzuhalten ist, hat es erstmal von einer Person Besitz ergriffen (so wie von Saul). William Shakespeare bezeichnet sie in Othello als „grün geaugtes Scheusal, das die Speise besudelt, die es nährt.“

„Jonatan aber hatte David sehr gern“ (19,1; EÜ) und „setzte sich bei seinem Vater für David ein“ (19,4; GNB). Zu David selbst sagte er, „Ich will alles für dich tun“ (20,4; Hfa). Was für ein Versprechen an einen Freund! Sie besiegelten ihre gegenseitige Verbundenheit mit einem „Bund“ (20,16), der sogar ihre Nachkommen einschloss (20,42). Jonatan bat David, „Schwör mir, dass du dich so sicher daran halten wirst, wie du mich heute als deinen Freund liebst." Jonatan liebte David nämlich wie sein eigenes Leben“ (20,17; Hfa).

Aus Sauls Eifersucht wurde blanke Wut: „Saul packte der Zorn über Jonatan“ (20,30). Jonatan wusste, dass sein Vater David töten wollte (20,33), und „zornig stand Jonatan vom Tisch auf“ (20,34a).

Der Unterschied zwischen Sauls und Jonatans Zorn bestand darin, dass Sauls Zorn unbegründet und einzig von seiner Eifersucht ausgelöst worden war. Jonatans Zorn dagegen war ein gerechter Zorn; „das schändliche Verhalten seines Vaters gegenüber David traf ihn sehr“ (20,34b). Zorn ist nicht immer falsch – aber prüfe deine Motive sorgfältig.

David und Jonatan schämten sich ihrer gegenseitigen Zuneigung nicht: „Dann küssten sie sich zum Abschied und beide weinten“ (20,41). In der westlichen Welt wird Weinen häufig als Zeichen von Schwäche gesehen. Die beiden schämten sich nicht, öffentlich zu weinen und ihre Zuneigung zu zeigen. Das ist ein starkes Modell für Freundschaft, Liebe und Einheit. Ehe ist eine von Gottes Antworten auf Einsamkeit; enge Freundschaft eine andere.

Diese Liebe und Freundschaft ermöglichten es Jonatan, vollkommen loyal, unterstützend und schützend zu agieren, obwohl sie Rivalen auf den Thron waren.

Gebet

Herr, bitte hilf uns, unsere Freunde und Nächsten wie uns selbst lieben zu können und zu wollen. Ich bete, dass die Menschen in der Liebe, Zuneigung und Einheit unserer Gemeinde Antworten auf ihre Einsamkeit finden.

Pippa fügt hinzu

1. Samuel 19,1–2

„Saul machte vor seinem Sohn Jonatan und vor allen Bediensteten kein Geheimnis daraus, dass er David ermorden wollte. Jonatan aber liebte David sehr. Darum warnte er ihn: "Sei vorsichtig, mein Vater will dich umbringen! Es ist besser, wenn du dich morgen früh hier nicht zeigst. Such dir draußen ein gutes Versteck, und verhalte dich ruhig!““

David hatte es wirklich nicht leicht. Treu diente er Gott und seinem König Saul, aber was er auch tat, er konnte es seinem Chef (Saul) nicht recht machen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als weiterhin zu tun, was richtig war. Er suchte weder Rache noch Gerechtigkeit. Und am Ende rechtfertigte Gott Selbst ihn.

Vers des Tages

Joh. 17,12

Ich habe sie bewahrt, und keiner von ihnen ist verloren gegangen.

Thought for the Day

Freude kommt durch Einheit. Uneinigkeit ist ein Freudenkiller. Gemeinsam sind wir stark.
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Verweise

Diesen Texten liegt die englisch-sprachige Bible in one Year („BIOY“) von Nicki und Pippa Gumbel, London, England zugrunde, in der aktuellen Fassung von 2021.
Quellenangaben für Zitate im Text wurden dem englischen Original entnommen.
BIOY ist Teil von Alpha International. Alpha International ist eine Organisation („registered Charity“) in England und Wales (no. 1086179) und in Schottalnd(no. SC042906) und eine Gesellschaft privaten Rechts „by guarantee“ und registriert in England & Wales (no. 4157379). Der Hauptsitz ist „HTB Brompton Road SW7 1 JA London, England. © Copyright Alpha International 2021

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde erstellt von: Dipl. Übersetzerin Wibke Kiontke, Allgemein ermächtigte Übersetzerin EN/DE, Certified Translator EN/GE, Gutensteinstraße 12, D-61250 Usingen
Sprecher: Jörg Pasquay, Milchberg 7, 86150 Augsburg www.wortmuehle.de und Susanne Pasquay („Noch ein Gedanke meiner Frau“)

Die Bibeltexte (Lesungen) sind der Übersetzung „Hoffnung für alle®“ entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis, Basel.“

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