Tag 175

Staffelübergabe

Weisheit Psalm 78,1–8
Neues Testament Apostelgeschichte 16,1–15
Altes Testament 1. Könige 12,25–14,20

Einführung

Als ich im Alter von einundzwanzig Jahren die Uni verließ, zog ich nach London und suchte mir eine Gemeinde. Ich besuchte HTB und hörte Sandy Millar predigen. Ich fragte ihn, ob ich mich wohl mal mit ihm treffen könnte. Kurz darauf schloss ich mich der Gemeinde an und begann von diesem außergewöhnlichen Leiter, der mir zum Freund und Vorbild wurde, zu lernen.

Nach einigen Jahren in der Gemeinde studierte ich Theologie, um als Pastor der Anglikanischen Kirche ordiniert zu werden. Zehn Jahre nach unserer ersten Begegnung kehrte ich als stellvertretender Pastor an Sandy Millars Seite bei HTB zurück. Diese Funktion hatte ich 19 Jahre inne, bis er 2005 den Staffelstab an mich übergab und ich leitender Pastor wurde. Noch heute inspirieren mich Sandys Vorbild und Freundschaft.

Es hat immer Menschen in meinem Leben gegeben, von denen ich lerne und andere, denen ich versuche, etwas weiterzugeben. Wie in einem Staffellauf müssen wir den Stab weitergeben.

Weisheit

Psalm 78,1–8

Israels Geschichte – Gott straft und rettet sein Volk

1 Von Asaf, zum Nachdenken. Höre, mein Volk, auf meine Weisungen;
  gib acht auf das, was ich dir sage!
2 Ich will in Sprüchen der Weisheit zu euch reden,
  die dunklen Rätsel aus alten Zeiten will ich euch erklären.
3 Was wir gehört und erfahren haben,
  was schon unsere Väter uns erzählten,
4 das wollen wir auch unseren Kindern nicht verschweigen.
  Jede Generation soll von Gottes mächtigen Taten hören,
  von allen Wundern, die der HERR vollbracht hat.
5 Er gab Israel sein Gesetz, den Nachkommen von Jakob gab er seine Gebote.
  Unseren Vorfahren befahl er, sie ihren Kindern bekannt zu machen.
6 So soll jede Generation seine Weisungen kennen lernen –
  alle Kinder, die noch geboren werden.
  Auch diese sollen sie ihren Nachkommen einprägen.
7 Sie alle sollen auf Gott ihr Vertrauen setzen und seine Machttaten nicht vergessen.
  Was er befohlen hat, sollen sie tun
8 und nicht so handeln wie ihre Vorfahren,
  die sich gegen Gott auflehnten und sich ihm widersetzten:
  Sie waren untreu und unbeständig.

Kommentar

Erzähle deine Geschichte

Du hast eine Geschichte zu erzählen. Jede Familie hat ihre Geschichten. Jede Gemeinde hat ihre eigenen Geschichten mit Gott. Jeder Christ hat eine Geschichte – ein Zeugnis. Wir alle haben Zugang zu der großartigen Geschichte, die erzählt, was Gott in Christus getan hat. Wir „sollen es weitergeben“ (78,6; GNB).

Der Psalm gibt uns einen Abriss hebräischer Geschichte bis zu König David und betont dabei, wie wichtig es ist, dieses Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Wir erkennen den Kontrast zwischen Israels Sünde und Gottes Güte. Jesus zitierte aus diesem Psalm (Matthäus 13,35).

Der Psalmist schreibt, „Wir wollen diese Wahrheiten unseren Kindern nicht vorenthalten, sondern der nächsten Generation von den wunderbaren Taten des Herrn erzählen, von seiner Macht und den großen Wundern, die er vollbrachte … ihre Kinder dieses Gesetz .. lehren, damit auch die nächste Generation es kenne …Sie alle sollen ihre Hoffnung von neuem auf Gott setzen“ (78,4-7).

Juan Carlos Ortiz erzählt von der Begegnung mit einer alten Dame in seiner Heimat Argentinien. Sie stellte ihm ein junges Mädchen vor, eine ihrer Urenkelinnen und berichtete, dass sie sechs Kinder und sechsunddreißig Enkel habe. Eine beeindruckende Familie. Unter ihren Enkeln waren viele gebildete und erfolgreiche Leute. Carlos fragte sie, „Wie haben Sie es nur geschafft, eine so große, gesunde und gut gekleidete und gebildete Familie großzuziehen?“ Sie erwiderte, „Habe ich nicht. Ich habe mich nur um meine eigenen sechs gekümmert. Und die haben sich jeweils um ihre sechs gekümmert.“

Jede Generation hat die Verantwortung, der nächsten zu erzählen, wie gut Gott ist, und sie davor zu warnen, in welchem Schlamassel wir landen, wenn wir uns von Gottes Güte abwenden.

Gebet

Herr, danke für die Menschen, die uns „von den wunderbaren Taten des Herrn“ erzählt haben (78,4b). Hilf uns, diese Botschaft an die nächste Generation weiterzugeben, damit auch sie ihr Vertrauen auf Dich setzen.

Neues Testament

Apostelgeschichte 16,1–15

Paulus gewinnt Timotheus als Mitarbeiter

1 Nachdem Paulus die Stadt Derbe besucht hatte, erreichte er schließlich Lystra. Dort traf er Timotheus, einen Christen. Seine Mutter, auch eine Christin, war jüdischer Abstammung, sein Vater ein Grieche. 2 In den Gemeinden von Lystra und Ikonion wurde Timotheus sehr geschätzt. 3 Ihn nahm Paulus als weiteren Begleiter mit auf die Reise. Um auf die Juden in diesem Gebiet Rücksicht zu nehmen, ließ Paulus ihn vorher beschneiden. Denn alle wussten, dass der Vater von Timotheus ein Nichtjude war. 4 In jeder Stadt, durch die sie reisten, berichteten sie den Gemeinden über die Beschlüsse der Apostel und Gemeindeleiter von Jerusalem; alle Christen sollten sich danach richten. 5 So wurden die Gemeinden im Glauben immer fester, und die Zahl der Gemeindeglieder nahm täglich zu.

Der Heilige Geist weist Paulus den Weg nach Europa

6 Nach ihrem Aufenthalt in Lystra zogen sie durch den phrygischen Teil der Provinz Galatien. Denn der Heilige Geist hatte sie erkennen lassen, dass sie in der Provinz Asia Gottes Botschaft noch nicht verkünden sollten. 7 Auch als sie in die Nähe von Mysien kamen und weiter nach Norden in die Provinz Bithynien reisen wollten, erlaubte es ihnen der Geist von Jesus nicht. 8 So zogen sie an Mysien vorbei und erreichten die Hafenstadt Troas. 9 Dort sprach Gott nachts in einer Vision zu Paulus. Der Apostel sah einen Mann aus Mazedonien, der ihn bat: »Komm nach Mazedonien herüber und hilf uns!« 10 Da war uns klar, dass Gott uns gerufen hatte, den Menschen dort die rettende Botschaft zu verkünden. Wir suchten sofort nach einer Gelegenheit zur Überfahrt.

In Philippi entsteht die erste Gemeinde in Europa

11 Wir gingen in Troas an Bord eines Schiffes und segelten auf dem kürzesten Weg zur Insel Samothrake, am nächsten Tag weiter nach Neapolis, 12 und von dort begaben wir uns landeinwärts nach Philippi, der bedeutendsten römischen Kolonie in diesem Teil der Provinz Mazedonien. Hier blieben wir einige Tage.

13 Am Sabbat gingen wir hinaus aus der Stadt und kamen an das Flussufer, wo sich – wie wir annahmen – eine kleine jüdische Gemeinde zum Gebet versammelte. Wir setzten uns und sprachen mit den Frauen, die sich dort eingefunden hatten. 14 Zu ihnen gehörte Lydia, die an den Gott Israels glaubte. Sie stammte aus Thyatira und handelte mit Purpurstoffen. Während sie aufmerksam zuhörte, ließ der Herr sie erkennen, dass Paulus die Wahrheit verkündete. 15 Mit allen, die in ihrem Haus lebten, ließ sie sich taufen. Danach forderte sie uns auf: »Wenn ihr davon überzeugt seid, dass ich an den Herrn glaube, dann kommt in mein Haus und bleibt als meine Gäste.« Sie gab nicht eher Ruhe, bis wir einwilligten.

Kommentar

Teile dein Wissen und deine Erfahrung

Paulus erkannte, dass er eine Verantwortung hatte, anderen sein Wissen weiterzugeben, sie anzulernen. Er begegnete Timotheus, der „als zuverlässig bekannt und geschätzt“ war (16,2; Hfa). Paulus nahm ihn als Schüler auf, unterwies und lehrte ihn, wurde Timotheus‘ Mentor. Die beiden sind ein ausgezeichnetes Vorbild für uns. Suche dir einen Paulus, von dem du lernen, und einen Timotheus, an den du dein Wissen weitergeben kannst.

Ich kann von mir sagen, dass ich zu jeder meiner großen, strategisch wichtigen Entscheidungen von jemandem aus meinem Umfeld angeregt und ermutigt wurde und nicht von einem Redner auf großer Bühne. Ganz sicher vermag eine Predigt eine große Wirkung zu haben, aber wir überschätzen häufig, wie viel von der Botschaft in den Kirchenbänken ankommt. In meinem Leben ist Wahrheit, die im persönlichen Gespräch weitergegeben wird, immer zentral für mein persönliches Wachstum. Das scheint bei Timotheus ähnlich gewesen zu sein.

Timotheus war durch Paulus zum Glauben an Jesus gekommen, und es entwickelte sich eine sehr enge Freundschaft zwischen den beiden. Paulus war älter als Timotheus, und er beschreibt ihre Freundschaft wie die von Vater und Sohn (Philipper 2,22). Er spricht von Timotheus als „mein geliebter und zuverlässiger Sohn im Herrn“ (1. Korinther 4,17).

Zusammen haben sie einiges erlebt. „Sie zogen von Ort zu Ort“ (16,4). Selbst im Gefängnis waren sie zusammen. Und dabei beobachtete Timotheus Paulus und wurde darauf vorbereitet, seine Nachfolge anzutreten.

Es reicht aber nicht zu hoffen, dass uns die „Timotheusse“ beobachten. Wir müssen jüngeren „Schülern“ auch an strategischen Positionen die Möglichkeit zum Leiten geben. Paulus übergab Timotheus echte Verantwortung. Er vertraute ihm, weil er ihn so gut kannte.

Und Paulus bezog Timotheus von Anfang an in seine Arbeit mit ein. Sie trafen zusammen Entscheidungen (16,4). Durch ihren gemeinsamen Dienst „wurden die Gemeinden im Glauben gestärkt, und die Zahl der Gläubigen wurde von Tag zu Tag größer“ (16,5).

Timotheus lernte die Führung des Heiligen Geistes kennen. Als sie versuchten, nach Bithynien zu gelangen, „ließ der Heilige Geist [es] nicht zu“ (16,6-7). Das ist eine ganz wichtige Lektion im Leben. Ich kann mich an mindestens fünf konkrete Situationen erinnern, in denen ich den Eindruck hatte, in eine bestimmte Richtung gehen zu sollen, „doch das ließ der Heilige Geist nicht zu“ (16,7); Er schenkte kein Gelingen. Rückblickend bin ich unendlich dankbar, dass die Pläne durch den Geist gestoppt wurden, denn heute kann ich sagen: es waren die falschen.

Gott lenkte die Schritte von Timotheus und Paulus dann in eine andere Richtung: „In der folgenden Nacht hatte Paulus eine Vision. Er sah einen Mann aus Mazedonien im Norden Griechenlands, der ihn bat: „Komm herüber und hilf uns““ (16,9). Paulus sah darin eine klare Führung, dass sie nach Mazedonien gehen sollten: „Wir waren sicher, dass Gott uns rief, auch dort seine Botschaft zu verkünden“ (16,10).

In Philippi wurde Timotheus gewiss Zeuge davon, wie Paulus am ersten Samstag zum Fluss ging, wo einige Frauen sich zum Gebet versammelt hatten (16,13).

Während Paulus von Jesus erzählte, bekehrte sich Lydia, eine wohlhabende Kaufmannsfrau. Sie lud Paulus und seine Begleiter in ihr Haus ein. Es muss eine tolle Erfahrung für beide gewesen sein zu sehen, wie „der Herr ihr das Herz für die Botschaft [öffnete], die Paulus verkündete“ (16,14).

Der späteste Brief, der Paulus zugeschrieben wird, ist der 2. an Timotheus. Bis zu seinem Lebensende war es Paulus wichtig, die nachfolgende Generation zu ermutigen und ihnen einen guten Einstieg zu ermöglichen. Nehmen wir ihn uns darin zum Vorbild!

Gebet

Herr, bitte hilf jedem „Paulus“, einen „Timotheus“ zu finden, den er ausbilden kann. Und hilf jedem „Timotheus“, einen Mentor wie Paulus zu finden, der all seine Erfahrung mit ihm teilt.

Altes Testament

1. Könige 12,25–14,20

König Jerobeam verführt Israel zum Götzendienst

25 Jerobeam ließ die Stadt Sichem im Gebirge Ephraim ausbauen, er machte sie zur Hauptstadt und wohnte dort. Dann zog er weiter nach Pnuël und baute auch diese Stadt aus.

26 Immer mehr aber fürchtete er, Israel könne sich am Ende doch wieder König Rehabeam zuwenden, weil er ein Nachkomme von David war. 27 »Wenn das Volk regelmäßig nach Jerusalem geht«, so dachte er, »und dort im Tempel des HERRN seine Opfer darbringt, dann werden sie auch bald wieder König Rehabeam von Juda als ihren König anerkennen. Ist es aber erst einmal so weit, dann bringen sie mich um.«

28 Darum ließ er zwei goldene Kälber herstellen. Dem Volk erklärte er: »Es ist viel zu umständlich für euch, für jedes Opfer immer nach Jerusalem zu gehen! Seht, ihr Israeliten, hier ist euer Gott, der euch aus Ägypten geführt hat!« 29 Er ließ eine Götzenfigur in Bethel aufstellen, die andere in Dan. 30 Als das eine Kalb nach Dan gebracht wurde, begleiteten die Israeliten es in einer feierlichen Prozession. So brachte Jerobeam das ganze Volk dazu, gegen den Herrn zu sündigen.

31 Aber er ging noch weiter: Er ließ auf vielen Hügeln Opferstätten und Heiligtümer für die Götzen errichten. Dafür ernannte er auch Israeliten zu Priestern, die nicht zum Stamm Levi gehörten. 32 Er bestimmte einen Tag im Herbst, den 15. Tag des 8. Monats, an dem ein ähnliches Fest gefeiert werden sollte wie das Laubhüttenfest in Juda. Er selbst wollte an diesem Tag in Bethel die Stufen zum Altar hinaufsteigen, um den Kälbern, die er hatte anfertigen lassen, Opfer zu bringen. In Bethel weihte er auch die Priester, die er für den Dienst bei den neuen Opferstätten einsetzen wollte.

Ein Prophet mit einer unbequemen Botschaft

33 Am 15. Tag des 8. Monats, dem Tag, den Jerobeam eigenmächtig festgesetzt hatte, feierten die Israeliten das angekündigte Fest in Bethel. Vor allen Festbesuchern stieg Jerobeam die Stufen zum Altar hinauf, um Opfer darzubringen.

13 1 Als er gerade oben am Altar stand und opfern wollte, erschien plötzlich ein Prophet aus Juda. Der HERR hatte ihn nach Bethel gesandt. 2 Mit lauter Stimme rief er zum Altar hin, was der HERR ihm aufgetragen hatte: »Altar! Altar! So spricht der HERR: Der Königsfamilie von David wird ein Sohn geboren werden mit Namen Josia. Er wird auf dir die Priester schlachten, die an den Opferstätten dienen und nun hier ihre Opfer darbringen. Ja, Menschenknochen wird man auf dir verbrennen.« 3 Dann wandte der Prophet sich an das Volk und sagte: »Ein Zeichen soll euch beweisen, dass der HERR durch mich geredet hat: Dieser Altar hier wird zerbersten, und seine Asche, die mit dem Fett der Opfertiere getränkt ist, wird auf dem Boden verstreut werden.«

4 König Jerobeam stand immer noch oben am Altar. Als er hörte, was der Prophet gegen den Altar von Bethel sagte, streckte er zornig seine Hand gegen den Boten Gottes aus und befahl seinen Männern: »Packt diesen Kerl!« Da wurde sein Arm steif, so dass er ihn nicht mehr zurückziehen konnte. 5 Im selben Augenblick brach der Altar auseinander, und die Opferasche wurde auf dem Boden verstreut. Alles traf so ein, wie der Prophet es im Auftrag des HERRN angekündigt hatte.

6 Da flehte der König: »Bitte, bete für mich zum HERRN, deinem Gott! Versuch ihn zu besänftigen und bitte darum, dass ich meinen Arm wieder bewegen kann!« Der Prophet betete für den König, und sofort war sein Arm wieder gesund.

7 Da lud König Jerobeam den Boten Gottes ein: »Komm mit mir in mein Haus und iss etwas! Ich möchte dir ein Geschenk geben.«

8 Doch der Prophet wehrte ab: »Selbst wenn du mir dein halbes Haus schenken würdest, käme ich nicht mit! Ich werde hier weder essen noch trinken, 9 denn der HERR hat mir befohlen: ›Du sollst dort nichts essen und nichts trinken! Kehre auch nicht auf demselben Weg zurück, auf dem du nach Bethel gehst!‹« 10 So ging er auf einem anderen Weg nach Hause.

Der Prophet missachtet Gottes Befehl

11 In der Stadt Bethel lebte ein alter Prophet. Als seine Söhne von dem Fest bei dem Altar zurückkamen, erzählten sie ihm, was der Bote Gottes getan und zu König Jerobeam gesagt hatte. 12 »Und wohin ist er dann gegangen?«, wollte der Vater wissen. Die Söhne beschrieben ihm, welchen Weg der Prophet aus Juda eingeschlagen hatte. 13 »Sattelt mir schnell den Esel!«, befahl der alte Prophet. Als das Tier gesattelt war, stieg er auf 14 und ritt dem Boten Gottes nach. Er holte ihn ein, als er unter einem Baum Rast machte, und fragte ihn: »Bist du der Prophet, der aus Juda hierhergekommen ist?«

»Ja, der bin ich«, gab der Angeredete zur Antwort.

15 Da lud der alte Mann ihn ein: »Komm doch zu mir nach Hause und iss etwas!« 16 Aber der Bote Gottes lehnte ab: »Ich kann nicht umkehren und zu dir nach Hause kommen. Ich darf hier nichts essen und nichts trinken, auch nicht bei dir. 17 Denn der HERR hat mir befohlen: ›Du sollst dort nichts essen und nichts trinken! Kehre auch nicht auf demselben Weg zurück, auf dem du nach Bethel gehst!‹«

18 Da entgegnete der alte Mann: »Ich bin auch ein Prophet wie du! Ein Engel hat mir eine Botschaft des HERRN ausgerichtet. Er sagte zu mir: ›Nimm ihn mit nach Hause, damit er bei dir essen und trinken kann!‹« Dies war eine Lüge. 19 Aber der Bote Gottes nahm daraufhin die Einladung des alten Propheten an und aß und trank bei ihm zu Hause.

20 Noch während des Essens gab der HERR dem alten Propheten eine Botschaft für den Gast, den er in sein Haus geholt hatte. 21 Der Prophet sagte zu dem Boten Gottes aus Juda: »So spricht der HERR: Du hast dich meinem Befehl widersetzt und hast das Verbot missachtet, das ich, der HERR, dein Gott, dir gegeben habe. 22 Du bist umgekehrt und hast hier am Ort gegessen und getrunken, obwohl ich es dir ausdrücklich verboten hatte. Darum wirst du nie im Grab deiner Vorfahren beerdigt werden!«

23 Nach dem Essen ließ der alte Prophet einen seiner Esel satteln und gab ihn seinem Gast. 24 Der verabschiedete sich und ritt davon. Unterwegs fiel ein Löwe über ihn her und tötete ihn. Der Löwe und der Esel blieben neben dem Toten stehen. 25 Die Leute, die vorbeikamen, sahen die Leiche am Boden liegen und den Löwen neben ihr stehen. Schnell gingen sie weiter und erzählten es in Bethel, wo auch der alte Prophet wohnte.

26 Als er davon hörte, sagte er: »Das ist der Bote Gottes, der sich dem Befehl Gottes widersetzt hat. Darum ließ der HERR ihn in die Klauen des Löwen geraten, und der hat ihn getötet. Es ist alles so eingetroffen, wie der HERR es ihm angekündigt hat.«

27 Dann befahl er seinen Söhnen, ihm seinen Esel zu satteln, 28 und ritt los. Er fand alles so vor, wie man es ihm beschrieben hatte: Der Esel und der Löwe standen immer noch bei der Leiche. Der Löwe hatte sie nicht gefressen und auch den Esel nicht zerrissen. 29 Der Prophet hob den Toten auf seinen Esel und brachte ihn nach Bethel. Dort wollte er die Totenklage um ihn halten und ihn dann begraben. 30 Er bestattete die Leiche in seinem eigenen Familiengrab. Dabei wurde die Klage »Ach, mein Bruder« angestimmt.

31 Nach der Beisetzung sagte der alte Prophet zu seinen Söhnen: »Wenn ich einmal sterbe, sollt ihr mich im selben Grab bestatten, in dem nun der Bote Gottes liegt. An seiner Seite möchte ich begraben sein. 32 Denn ich weiß, dass er ein echter Prophet war. Was er im Auftrag des HERRN gegen den Altar von Bethel und gegen die Götzenopferstätten und Heiligtümer in Samaria vorausgesagt hat, wird alles eintreffen.«

Jerobeam lässt sich nicht warnen

33 Trotz allem, was geschehen war, ließ Jerobeam sich nicht von seinen falschen Wegen abbringen. Er setzte weiterhin Priester aus dem ganzen Volk zum Dienst bei den Opferstätten ein. Wer immer sich darum bewarb, den weihte er selbst zum Priester. 34 So lud er schwere Schuld auf sich, und darum wurde später sein Königshaus vernichtet und sein Geschlecht vollkommen ausgerottet.

Jerobeam wird von Gott gestraft

14 1 Eines Tages wurde Jerobeams Sohn Abija schwer krank. 2 Da sagte Jerobeam zu seiner Frau: »Verkleide dich, damit niemand dich als Königin erkennt, und dann geh nach Silo! Dort wohnt der Prophet Ahija, der mir damals vorausgesagt hat, dass ich König über unser Volk werde. 3 Bring ihm zehn Brote, etwas Gebäck und einen Krug Honig mit! Dieser Mann kann dir bestimmt sagen, ob unser Sohn wieder gesund wird.« 4 Jerobeams Frau folgte dem Rat ihres Mannes. Sie ging nach Silo und fand Ahijas Haus.

Der war inzwischen sehr alt geworden und hatte sein Augenlicht verloren. 5 Aber der HERR hatte ihn auf den Besuch von Jerobeams Frau vorbereitet. »Sie will wissen, ob ihr kranker Sohn wieder gesund wird. Doch sie will unerkannt bleiben und hat sich deshalb verkleidet«, hatte er zu dem Propheten gesagt und ihm anschließend aufgetragen, was er der Königin antworten sollte.

6 Als Ahija ihre Schritte hörte und sie an der Tür stand, rief er ihr zu: »Komm nur herein, Jerobeams Frau! Du brauchst dich gar nicht erst zu verstellen! Ich muss dir eine schlechte Nachricht überbringen. 7 Geh heim und berichte Jerobeam, was der HERR, der Gott Israels, ihm sagen lässt: ›Ich habe dich aus dem Volk heraus erwählt und als König über Israel eingesetzt. 8 Dem Haus David habe ich die Krone genommen und sie dir gegeben. Doch trotz allem lebst du nicht so wie mein Diener David. Er befolgte meine Gebote und wollte vor allem mir gehorchen und tun, was mir gefällt. 9 Du aber hast es schlimmer getrieben als jeder andere vor dir. Du hast dir Figuren gegossen, die nun deine Götter sein sollen. Von mir aber wolltest du nichts mehr wissen. Und so hast du meinen Zorn herausgefordert.

10 Darum werde ich deine Familie ins Unglück stürzen. In ganz Israel werde ich alle männlichen Nachkommen von Jerobeam ausrotten, ob jung oder alt. Auch die letzte Erinnerung an diese Familie werde ich auslöschen, so wie man einen Haufen Mist aus dem Stall hinausfegt, bis keine Spur mehr übrig bleibt. 11 Wer von euch in der Stadt stirbt, wird von Hunden zerrissen, und wer auf freiem Feld stirbt, über den werden die Raubvögel herfallen.‹ Dies alles wird so eintreffen, denn der HERR hat es angekündigt!«

12 Dann sagte Ahija zu Jerobeams Frau: »Geh nun wieder nach Hause! Doch sobald du in deiner Heimatstadt eintriffst, wird dein Sohn sterben. 13 Überall in Israel wird man um ihn trauern, und viele werden zu seiner Beerdigung kommen. Er wird als Einziger aus Jerobeams Familie in ein Grab gelegt, denn er war auch der Einzige in der Familie, an dem der HERR, der Gott Israels, noch etwas Gutes fand.

14 Der HERR wird einen neuen König für Israel erwählen. Dieser wird das Geschlecht Jerobeams ausrotten. Es beginnt sich schon heute zu erfüllen! 15 Später wird der HERR ganz Israel bestrafen, denn sie verehren Holzpfähle, die sie für heilig halten. Sie fordern den Zorn des HERRN heraus, darum wird er sie schlagen, dass sie schwanken wie ein Schilfrohr im Wasser. Er wird sie aus diesem fruchtbaren Land, das er ihren Vorfahren gegeben hat, herausreißen und sie weit wegschleudern in ein Land jenseits des Euphrat. 16 Ihren Feinden wird er sie ausliefern, weil Jerobeam gesündigt und ganz Israel zum Götzendienst verführt hat.«

17 Jerobeams Frau kehrte in ihr Haus nach Tirza zurück. Gerade als sie zur Tür hereinkam, starb ihr Sohn. 18 Er wurde beerdigt, und in ganz Israel trauerte man um ihn. Es traf alles so ein, wie der HERR es durch seinen Diener, den Propheten Ahija, vorausgesagt hatte.

Jerobeams Tod

19 Alles Weitere über Jerobeams Leben steht in der Chronik der Könige von Israel. Dort kann man nachlesen, wie er regiert und welche Kriege er geführt hat. 20 Jerobeam war 22 Jahre lang König. Als er starb, wurde sein Sohn Nadab sein Nachfolger.

Kommentar

Lehre

Wenn wir nicht aus der Geschichte lernen und diese Erkenntnisse an die nächste Generation weitergeben (Psalm 78,5-6), werden sich unsere Fehler wiederholen. Das Buch der Könige dokumentiert die Geschichte von Gottes Volk, damit nachfolgende Generationen daraus lernen.

Aus dem heutigen Abschnitt können wir leider nur Negatives mitnehmen – der Bericht über Jerobeam ist furchterregend. Er hinterließ der nächsten Generation ein schreckliches Erbe.

„[Jerobeam] hielt einen Rat und machte zwei goldene Kälber“ (12,28; LUT). Es bringt nichts, Rat zu suchen, wenn wir die falschen Leute fragen! Die Kapitel berichten über die Sünde von Jerobeams Haus, „die schließlich das Ende seiner Herrschaft und den Tod seiner ganzen Familie zur Folge hatte“ (13,34).

Die zentrale Sünde Jerobeams war, dass er sich Religion und Anbetung so zurechtlegte, wie es ihm passte. Er unterstützte die Götzenanbetung und nicht die Anbetung Gottes (12,28). So schuf Jerobeam sich seine eigene Religion, die seinen Wünschen und Bedürfnissen diente.

Wir beten wohl keine goldenen Kälber an, aber die Gefahr ist heute noch so real wie früher. Wie Papst Franziskus sagte, „Der gefährlichste Götze ist unser eigenes Ich; wenn wir uns selbst auf den Platz Gottes setzen wollen.“

Das war Jerobeams Sünde, und sie hatte Folgen für die nächste Generation. Sein Sohn Ahijas erkrankte und starb (Kapitel 14). Er ignorierte das gute Vorbild der früheren Generation Davids, der mit ungeteiltem Herzen gelebt und an dem Gott Freude gehabt hatte. Stattdessen war er „schlimmer als alle, die vor [ihm] gelebt haben“ (14,9).

Jerobeam mag militärisch, wirtschaftlich und politisch einiges erreicht haben (14,19), trotzdem scheinen diese Erfolge eher unbedeutend. Jesus sagte, „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber seine Seele verliert?“ (Markus 8,36). Das Wichtigste ist eine enge Beziehung zum lebendigen Gott.

Gebet

Herr, ich bete, dass Du in Wirtschaft, Politik, in den schaffenden Künsten, in den Medien und in jedem Bereich der Gesellschaft Leiter aufrichtest, die Dich ehren und die Deine Botschaft und Werte an die nachfolgenden Generationen weitergeben.

Pippa fügt hinzu

Psalm 78,4–6

„Wir wollen diese Wahrheiten unseren Kindern nicht vorenthalten, sondern der nächsten Generation von den wunderbaren Taten des Herrn erzählen, von seiner Macht und den großen Wundern, die er vollbrachte … damit auch die nächste Generation es kenne - die Kinder, die erst noch geboren werden - und es auch an ihre Kinder weitergebe.“

Es ist keine leichte Aufgabe, unseren Glauben an die nächste Generation weiterzugeben. Ich bin so dankbar für die Mitarbeiter, die sich in unserer Gemeinde um die Kinder und Jugendlichen kümmern. Sie gießen ihre Liebe über unsere Kinder und die Kinder hunderter Menschen aus. Jedes Jahr dürfen wir auf unserer großen Familiengemeindefreizeit (Focus) im Sommer zusehen, wie Herzen verwandelt werden. Ich freue mich darüber, was Gott unter der nächsten Generation bewirkt. Und das Potenzial der „Kinder, die erst noch geboren werden“ ist riesig. – Lasst uns für sie beten.

Vers des Tages

Psalm 78,1+4 (Hfa)

Höre, mein Volk, auf meine Weisungen… das wollen wir auch unseren Kindern nicht verschweigen. Jede Generation soll von Gottes mächtigen Taten hören
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Verweise

Diesen Texten liegt die englisch-sprachige Bible in one Year („BIOY“) von Nicki und Pippa Gumbel, London, England zugrunde, in der aktuellen Fassung von 2021.
Quellenangaben für Zitate im Text wurden dem englischen Original entnommen.
BIOY ist Teil von Alpha International. Alpha International ist eine Organisation („registered Charity“) in England und Wales (no. 1086179) und in Schottalnd(no. SC042906) und eine Gesellschaft privaten Rechts „by guarantee“ und registriert in England & Wales (no. 4157379). Der Hauptsitz ist „HTB Brompton Road SW7 1 JA London, England. © Copyright Alpha International 2021

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde erstellt von: Dipl. Übersetzerin Wibke Kiontke, Allgemein ermächtigte Übersetzerin EN/DE, Certified Translator EN/GE, Gutensteinstraße 12, D-61250 Usingen
Sprecher: Jörg Pasquay, Milchberg 7, 86150 Augsburg www.wortmuehle.de und Susanne Pasquay („Noch ein Gedanke meiner Frau“)

Die Bibeltexte (Lesungen) sind der Übersetzung „Hoffnung für alle®“ entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis, Basel.“

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